Goethehof-Sanierung: Kaisermühlen ohne Blues

9. Oktober 2008, 19:18
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Neue Fenster, Aufzüge und wärmegedämmte Fassaden - Die meisten Bewohner schweigen sich zur Generalsanierung des Paradebaus desroten Zwischenkriegs-Wiens aus

Wien - Wenn man den Bewohnern des Goethehofes in Kaisermühlen eines bestimmt nicht vorwerfen kann, dann, dass sie richtige Plaudertaschen sind. Dass man in dem Gemeindebau im 22. Bezirk nicht mehr über den "Kaisermühlen Blues" reden möchten, der dort gedreht wurde, ist verständlich. Aber selbst über die bevorstehende Generalsanierung der 1928 errichteten Anlage in der Schüttaustraße und darüber, wie es sich im Goethehof lebt, wird nicht unbedingt gern gesprochen.

"Ich darf Ihnen gar nichts erzählen, ich bin die Hausbesorgerin", sagt die dunkelhaarige Frau in Jeanslatzhose und knallgelbem T-Shirt, die vor der Stiege 42 ein Vormittagsplauscherl hält. Vis-a-vis wirft ein freundlicher junger Mann in Jogginghose und Lederjacke den Ball für seinen Labrador. Seit zwei Jahren wohnt er im Goethehof und es sei im Grunde "eh ganz okay". Nachsatz: "Na ja, es gibt schon urviele Drogensüchtige da." Seinen Namen möchte er lieber nicht verraten. "Hallo, Eros", ruft eine Nachbarin, die gerade mit Waschmittel, Weichspüler und Schmutzwäsche bepackt auf dem Weg in die Waschküche ist. "Das ist der Hund", sagt der Balliwerfer und verzieht sich ins Haus.

727 Wohnungen gibt es in dem Gemeindebau, mit den drei großzügigen begrünten Innenhöfen. Die 1930 errichtete Arbeiterbibliothek ist noch immer eine Zweigstelle der Städtischen Bücherei. Auch der Kindergarten, damals, Ende der 1920er-Jahre, ein Vorzeigeprojekt für kindgerechte Architektur, existiert noch.

Nun haben die Vorarbeiten für die Sanierung begonnen. An einigen Stellen werden bereits die lockeren Fassadenteile abgeklopft. Ab 2012 sollen 4000 Fenster ausgetauscht und 46 Aufzüge eingebaut werden. Die Fassade erhält eine Wärmedämmung erhalten, außerdem werden 165 neue Dachgeschoßwohnungen errichtet. Baukosten: 30 Millionen Euro.

Die Mieten werden dadurch steigen. Genau könne man die Erhöhung noch nicht beziffern, heißt es im Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. "Die Mieten dürfen nicht mehr als um 1,71 Euro pro Quadratmeter steigen", sagt eine Sprecherin, "im Falle des Goethehofes wird es aber niedriger sein."

Rasen-Wünsche

"Wir erfahren ja nichts über die Sanierung", erzählt Frau M., die ihren vollen Namen ebenfalls nicht nennen möchte. Worüber die Mittvierzigerin, die in einer Wohnung mit Blick auf das Kaiserwasser lebt, jedoch gerne redet, ist ihre Liebe zum Goethehof. Und dann ist die schmale Frau mit den brünetten Haaren kaum zu bremsen. "Ich bin eine begeisterte Goethehofbewohnerin, gleich hinter dem Bau kann man die Biber beobachten". Ihr jetzt 14-jähriger Sohn habe früher einfach vor der Haustür mit den anderen Kindern spielen können, "auch wenn sich immer jemand über den Lärm beschwert hat".

Was sie sich von der Gemeinde aber wirklich wünsche, sagt Frau M., sei, "dass sie auch bei uns in den Grünflächen die Hundstrümmerl-Schildchen aufstellen." (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD - Printausgabe, 10. Oktober 2008)

  • Die Kehrseite an der Vorderseite des Goethehofes. Der Gemeindebau soll um 165 Wohnungen erweitert werden.
    foto: standard/regine hendrich

    Die Kehrseite an der Vorderseite des Goethehofes. Der Gemeindebau soll um 165 Wohnungen erweitert werden.

  • Auch dem "Halten verboten"-Schild würde eine grundlegende Sanierung nicht schlecht bekommen.
    foto: standard/regine hendrich

    Auch dem "Halten verboten"-Schild würde eine grundlegende Sanierung nicht schlecht bekommen.

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