FMA sperrt Kaupthing-Konten in Österreich

9. Oktober 2008, 17:42
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Die isländische Regierung hat nach Landsbanki und Glitnir auch Kaupthing verstaatlicht. Die österreichische Finanzmarktaufsicht fror Kaupthing-Konten in Österreich ein

"Kaupthings Zusammenbruch wäre Islands Untergang" , erklären isländische Geschäftsleute in Reykjavík nach der Zwangsverstaatlichung der mit Abstand größten Bank der Insel. Den totalen Zusammenbruch versucht die Regierung nun durch Zwangsverstaatlichung und Absetzung des Vorstandes zu verhindern. Bis zuletzt beteuerte Sigurdur Einarsson, Vorstandschef von Kaupthing, es bestünde keine Gefahr.
Am Donnerstag kam der Paukenschlag: Die Regierung hat mit Kaupthing auch die letzte der drei isländischen Großbanken verstaatlicht. Einarsson und seine Manager wurden gefeuert. Die Finanzinspektion hat die Führung der Großbank übernommen. Isländischen Kunden garantiert man die Einlagen zu hundert Prozent. Inwieweit diese auch für die deutschsprachigen Raum garantiert werden könne, ließ Sprecherin Raquel Díaz offen. "Wir können zurzeit einfach nichts darüber sagen" , erklärte sie.

Konten eingefroren

Damit Gelder, die bei Auslandstöchtern von Kaupthing liegen, nicht verschoben werden können, haben die Finanzmarktaufsichten in Österreich, Deutschland und Finnland die lokalen Kaupthing-Konten eingefroren. Kunden können daher im Moment weder Konten eröffnen noch auf ihre Einlagen zugreifen. Die Niederlassung der Kaupthing Bank in Österreich ist dem isländischen Einlagensicherungsfonds angeschlossen, 20.887 Euro sind gesichert. Allerdings hat der Fonds verlauten lassen, nur noch isländische Sparer würden versorgt.
Die Kaupthing Bank ist in Österreich erst seit September aktiv. Rund 300 Kunden sollen bisher Konten eröffnet und rund drei Millionen Euro auf die Online-Sparbücher eingezahlt haben.
Kaupthing hat in den vergangenen Jahren in Europa mit aggressiven Sparzinsangeboten um Kleinanleger geworben. Noch am Dienstag wurde aus der Zentrale in Reykjavík behauptet, dass Spareinlagen in Deutschland und Österreich durch den isländischen Staat abgesichert seien. Einlagen in Luxemburg und der Schweiz würden durch den luxemburgischen Staat garantiert, so der Kaupthing-Sprecher. Jetzt ist man in Österreich um eine rasche Lösung bemüht, damit die Anleger zumindest wieder Zugriff auf ihre Einlagen haben.

Dunkle Wolken

Ein Bankrott Kaupthings sei unter staatlicher Führung ausgeschlossen, versicherte Vorstandschef Einarsson in seiner letzten Presseerklärung. Darin rechtfertigt er sich und erklärt, dass die Wirtschaftslage seiner Bank noch Ende September gut ausgesehen habe und man sich auf einen weltweiten Abschwung ausreichend vorbereitet hätte. "Zur gleichen Zeit aber zogen dunkle Wolken über den Finanzmärkten auf, das Vertrauen zwischen den Institutionen schwand. Banken wurden restriktiver und widerriefen frühere Kreditabkommen" , so Einarsson. Die Verstaatlichung der Glitnir Bank habe zudem eine Kettenreaktion ausgelöst.

Größte Bank Islands

Kaupthing wurde 1982 gegründet, ging 2003 an die Börse. Mit einer Bilanzsumme von 85 Mrd. Euro und 3300 Angestellten ist sie die größte und internationalste Bank Islands. Durch Zukäufe in Schweden, Dänemark und Großbritannien wurde die Abhängigkeit vom einheimischen Markt gemindert. Die Bank eröffnete Vertretungen in den Niederlanden, der Schweiz, Finnland, Luxemburg, Deutschland, Österreich, den USA und im Nahen Osten. Die Achillesferse der Bank ist der kleine Heimatmarkt, der zudem von der US-Kreditkrise besonders stark getroffen wurde.
Die Finanzkrise vertreibt in Island auch den Sportsgeist. Das internationale Badminton-Turnier in Reykjavík ist wegen anhaltender wirtschaftlichen Schwierigkeiten abgesagt worden. Auch die Börsen bleiben geschlossen. Erst am Montag soll wieder gehandelt werden.
Die britische Regierung hat im Fall der Tochter Icesave der - ebenfalls verstaatlichten - isländischen Landsbanki beschlossen, geschädigten Anlegern Einlagen auf Kosten der Steuerzahler zu erstatten. (André Anwar, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.10.2008)

 

  • Die Mitteilung auf der österreichischen Kaupthing-Webseite.
    screenshot

    Die Mitteilung auf der österreichischen Kaupthing-Webseite.

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