Forscher: Illegale Zuwanderung nützt der Wirtschaft

6. Oktober 2008, 15:51
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Wenn Zuwanderer ausbleiben, wandern Firmen ab - Nicht nur bei höheren Qualifikationen, sondern auch im ungelernten Bereich gebe es Bedarf

Linz - "Auch illegale Immigration ist nicht unbedingt schlecht für die Volkswirtschaft." Davon ist Christian Dustmann, europaweit anerkannter Experte für Migrationsökonomie am University College in London, überzeugt. Zuwanderung wirke sich prinzipiell positiv auf die Volkswirtschaft aus, sagte Dustmann am Montag in einer Pressekonferenz in der Linzer Johannes Kepler Universität (JKU).

Dustmann untermauerte seine Behauptung mit den illegalen mexikanischen Einwanderern in den USA: Diese würden in den Staaten arbeiten und Steuern zahlen. Die Kriminalität sei gering. Der amerikanischen Regierung sei daher klar, dass es wirtschaftlich nicht möglich wäre, diese 14 Millionen Menschen wieder nach Hause zu schicken.

Bedarf an Arbeitskräften

"Illegale Immigration ist manchmal ein Regulativ, um auf gewisse Notwendigkeiten zu reagieren", ist Dustmann überzeugt. Zuwanderung schaffe die Möglichkeit, Engpässe am Arbeitsmarkt kurzfristig zu beseitigen, so der Wissenschafter. Neben der Nachfrage nach bestimmten Qualifikationen gebe es auch im ungelernten Bereich Bedarf: Für viele Jobs finde man keine Einheimischen, meist wegen der schlechten Bezahlung. Würde man die Betriebe zwingen, einen besser bezahlten Inländer zu beschäftigen, wären die Firmen nicht konkurrenzfähig und würden eventuell abwandern, so der Experte.

In kaum einer Studie habe man negative Auswirkungen der Immigration auf die Löhne feststellen können, erläuterte Dustmann. Im Durchschnitt sei der Effekt auf die Einkommen positiv, besonders profitieren die Besserverdiener, lediglich am unteren Ende könne es leichte Einbußen geben. Aber "die Gewinner profitieren mehr, als die Verlierer verlieren."

Warnung vor Radikalisierung

Eindringlich warnte Dustmann vor einer "Grenzen-dicht-Politik". "Das wäre fatal, es würde uns von den Weltmärkten entfremden". Eine völlig freie Zuwanderung sei allerdings auch problematisch, weil es dadurch zu radikalen Strömungen in der Gesellschaft kommen könne. Dann schlage das Pendel um, und die Tür sei für längere Zeit wieder zu. Der Experte betonte daher die Bedeutung von Integration und von Transparenz in der Ausländerpolitik.  (APA)

  • In der Baubranche sind illegal Zugewanderte - als illegale Arbeitskräfte - besonders gefragt
    Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

    In der Baubranche sind illegal Zugewanderte - als illegale Arbeitskräfte - besonders gefragt

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