Alternativen fürs hohe Alter

4. Oktober 2008, 17:00
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Wie wollen wir wohnen, wenn wir alt sind? Die Wohnform im Alter ist nicht nur eine Frage der Vorlieben, sondern auch der Pflegebedürftigkeit

Eines ist jedoch sicher: Das klassische Altenheim hat ausgedient.

Jeden Morgen um die gleiche Zeit geht Elise Huber in ihr Caféhaus in Wien Währing auf einen kleinen Schwarzen und eine Buttersemmel. Ihr liebster Platz ist der Tisch rechts vorn. Ist dieser schon besetzt, dann fragt sie einfach, ob sie sich dazusetzen darf. So wie viele alte Menschen lebt Elise Huber alleine in ihrer Wohnung und möchte ihr eigenständiges Leben so lange wie möglich weiterführen.

Wer sich nicht mehr selbst versorgen kann, ist jedoch auf Hilfe von außen angewiesen. Dann kommt das Essen auf Rädern, dann kommen Pfleger ins Haus, um im täglichen Leben behilflich zu sein. Nur gegen das Alleinsein können sie nichts tun. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den letzten Abschnitt seines Lebens in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten zu verbringen. Das reicht von Wohngemeinschaften für Senioren über Seniorenresidenzen und betreuten Wohnungen bis hin zum bewährten Altersheim.

Am Ende des Vorstellbaren steht für viele das Pflegeheim. Tatsächlich wird man hier erst aufgenommen, wenn man Pflegestufe 3 erreicht hat und eine intensive Dauerbetreuung benötigt. Die Nachfrage nach diesem Wohnmodell ist jedenfalls groß. Bis 2015 wird die Stadt Wien sechs neue geriatrische Pflegeheime errichten.

Hotel-Ambiente

Das Haus der Barmherzigkeit in der Tokiostraße ist ein solches. Bis zu 270 Patienten finden hier Platz. Entworfen hat den Bau das Architekturbüro Peichl & Partner. "Das Gebäude sollte nicht aussehen wie ein Krankenhaus", erläutert Projektleiter Christoph Lechner die Vorgaben des Bauherrn, "vom Ambiente her schwebte dem Auftraggeber eher ein Wohnhaus oder ein Hotel vor."

Dies scheint gelungen: Eines Tages, so erzählt Eva Mutz-Amon, Pflegedirektorin im Haus der Barmherzigkeit, stand eine Gruppe von koreanischen Touristen im Foyer und erkundigte sich nach freien Zimmern für eine Nacht.

Ein- und Zweibettzimmer stehen den Senioren zur Verfügung. Jedes Zimmer hat sein eigenes Bad. Dieser Komfort ist nicht selbstverständlich. Am ursprünglichen Standort in der Vinzenzgasse gab es im Haus der Barmherzigkeit ausschließlich Vier- und Sechsbettzimmer mit Dusche und WC am Gang. "Das wäre heute undenkbar", sagt Mutz-Amon. "Der Anspruch der Gesellschaft hat sich verändert. Warum soll sich nicht auch das Umfeld für die alten Menschen ändern?"

Die Höhe der Heimkosten ist sehr unterschiedlich und hängt davon ab, in welchem Bundesland das Heim liegt und ob es öffentlich oder privat geführt wird. Generell gilt: Reichen das Einkommen und das verwertbare Vermögen nicht für die Abdeckung der Heimkosten aus, dann kommt meist die Sozialhilfe für den Restbetrag auf. Dem Bewohner verbleiben in diesem Fall 20 Prozent seiner Pension.

Wohnen mit den Generationen

Das Pflegeheim in der Tokiostraße steht mitten in einem wachsenden Stadtviertel in Wien Donaustadt. Rundherum entsteht eine Wohnanlage nach der anderen. Erst im Mai dieses Jahres stellte das ÖSW (Österreichisches Siedlungswerk) vis-à-vis eine Wohnhausanlage fertig, die für Generationenwohnen konzipiert ist. Die Planung dafür stammt von der Wiener Architektin Elsa Prochazka und vom Vorarlberger Architekturbüros Baumschlager & Eberle.

Der straßenseitige Bauteil ist für junge Menschen gedacht, der im Garten freistehende Bauteil richtet sich unter anderem an Senioren. Wie in den meisten Neubauten heutzutage üblich sind alle Wohnungen barrierefrei. Die Seniorenwohnungen sind zusätzlich rollstuhlgerecht angelegt.

Veronika Kaiser ist zwar noch nicht in Pension, vorsorglich hat sie sich aber schon von ihrer Altbauwohnung getrennt und ist mit ihrem Mann in eine barrierefreie Neubauwohnung in Wien Favoriten gezogen. Die Wohnung hat eine Loggia, von der man direkt auf die Quellenstraße runtersieht. "Viele alte Leute vereinsamen im Alter", sagt Veronika Kaiser. "Wenn ich in Pension bin, dann werde ich mich auf die Loggia setzen und auf die Straße schauen. Dann bin ich mitten im Geschehen." (Anne Isopp, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.10.2008)

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