Neue Alzheimer-Wirkstoffe im Tierversuch getestet

29. September 2008, 14:38
2 Postings

Deutsche und österreichische Forscher melden Erfolg mit Glutaminyl-Cyclase-Hemmern

Graz/Halle -  Einen Erfolg für die Alzheimer-Forschung meldet das Kooperationsprojekt des deutschen Unternehmens Probiodrug und der Grazer Forschungsfirma JWS-CNS Research GmbH nach Tierversuchen mit neuen Substanzen. Es handelt sich dabei um Wirkstoffe, welche das Enzym Glutaminyl-Cyclase hemmen. Das führt offenbar dazu, dass das für die Nervenzellen giftige und bei Alzheimer-Patienten krankhaft gebildete abbauresistente Amyloid-Beta-Peptid nicht mit Pyroglutamat modifiziert wird und sich leicht zusammenballen und zu den für Morbus Alzheimer typischen Ablagerungen (Plaques) im Gehirn führt. Die Wissenschafter berichten von ihren Ergebnissen online in "Nature Medicine".

"Die Idee dazu gab es schon vor vielen Jahren. Zu Pyroglutamat zyklisiertes Glutamat ist im Organismus ein gängiger Weg, um Proteine stabil zu machen", sagte Manfred Windisch von JSW-CNS Research. Gerade bei Morbus Alzheimer und ähnlichen Erkrankungen kommt es durch die falsche Spaltung des Amyloid-Vorläuferproteins (APP) schließlich zu anwachsenden Mengen des abbauresistenten Beta-Amyloids im Gehirn. Hier spielt offenbar im Endeffekt auch das Enzym Glutaminyl-Cyclase eine Rolle. Es wird bei Alzheimer-Patienten in der Großhirnrinde verstärkt produziert.

Geringere Plaque-Bildung

Die Wissenschafter gaben nun Mäusen, die genetisch so verändert sind, dass bei ihnen eine Art Alzheimer-Krankheit auftritt, den Wirkstoff PBD150 als Hemmstoff des Enzyms zu fressen. Je nach Dosis reduzierte sich die Bildung von Beta-Amyloid um 23 bis 65 Prozent. Es kam zu einer geringeren Bildung von Plaques. In Gedächtnistests und in Experimenten, welche das Lernvermögen (bezogen auf die räumliche Orientierung) der Tiere bestimmen sollte, zeigte sich eine Verbesserung der Fähigkeiten. Im Laufe ihres Heranwachsens nahmen sie auch genauso zu wie Tiere aus einer Vergleichsgruppe und zeigten offenbar keine toxischen Nebenwirkungen. Das funktionierte in zwei Maus-Modellen und in einem neuen Modell mit Drosophila-Taufliegen.

Laut den Wissenschaftern könnte damit ein neues Wirkprinzip für Alzheimermedikamente zumindest im Tierversuch belegt sein. International werden aber auch andere Wege verfolgt: So will man mit Arzneimitteln Sekretase-Enzyme hemmen, die ganz am Beginn zur Bildung der "falschen" Beta-Amyloid-Preptide aus APP führen. (APA/red)

Share if you care.