RCB-Experte: "Nur Cash ist fesch"

29. September 2008, 13:15
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Die Finanzmarktkrise beeinträchtigt neben Wien auch die CEE-Länder. Österreich ist schon lange keine Insel der Seeligen mehr

Wien - Immobilienkrise, Kapitalmarktkrise, Commoditykrise, Ölmarktkrise: Ein Jahr der Krisen hinterließ seine Spuren auch hierzulande: „Österreich ist keine Insel der Seeligen mehr" sagt Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank (RZB) heute vor Journalisten in Wien. Die Aktienmärkte in Zentral- und Osteuropa (CEE) konnten sich dem internationalen Trend nicht entziehen. Den Grund sieht Brezinschek weniger in der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung, als in den starken Kapitalabflüssen vieler internationaler Investoren.

Sinkendes Wachstum

Seit dem Jahr 2000 schreiben die Staaten Mittel-, Südost- und Osteuropas bemerkenswerte Wachstumszahlen zwischen sechs und acht Prozent. Damit ist es allerdings schon seit Jahresbeginn vorbei. Das Barometer zeigt auf Konjunkturabschwächung. Für 2009 erwartet Brezinschek für die Ostregion inklusive Russland aber immer noch vier bis fünf Prozent. Die restriktive Geldpolitik dürfte in den CEE-Ländern die bisher von hohem Kreditwachstum getragene Inlandsnachfrage einbremsen. Nach über 20 Prozent Nominallohnanstieg wird auch hier eine Abschwächung erwartet. Den zyklischen Tiefpunkt sehen die Analysten Mitte 2009.

Was das Wachstum der heimischen Wirtschaft betrifft, so wird das reale BIP-Wachstum nach Einschätzung der Analysten von 2,3 Prozent 2008 auf 1,4 Prozent im kommenden Jahr zurückgehen. Die österreichische Wirtschaft entwickelt sich in diesem schwierigen Umfeld aber immer noch besser als die Eurozone (2009: plus 0,7 Prozent). Insbesondere die Exporte und Investitionen dürften deutlich geringer ausfallen als in den Jahren zuvor: "Dafür wird das Thema Inflation von der Bildfläche verschwinden", meint Brezinschek, "denn ab Oktober wird der Preisanstieg markant nachlassen und im Frühjahr 2009 mit zwei Prozent sein Tief markieren".

Erholung eingeläutet

Von einem "manisch-depressiven" Stimmungsbild ist heute die Rede und von einer Erholung des Finanzsektors, "die eingeläutet ist". Die Einigung über die Ausgestaltung des Rettungspakets zur Stabilisierung des US-Bankenmarktes bedeute zwar nicht, dass es ab heute mit den Kursen wieder nach oben gehe, aber - so RZB-Analyst Brezinschek - "die Abwärtsspirale und die automatische Kettenreaktion sollten gebrochen sein." Das Volumen des Pakets sei jedenfalls ausreichend, so der Analyst. Dass die eine oder andere Bank noch verschwinden könnte, sei allerdings nicht ausgeschlossen. Trotz des nächtlichen Überschwappens der US-Krise auf einige europäische Großbanken sehen die RZB-Analysten für die Branche an der Börse nicht so schwarz.

Trotz großteils zufrieden stellender Unternehmensergebnisse im ersten Halbjahr fiel der ATX auf so tiefe Niveaus, die bereits eine Rezession einpreisen, erläutert RCB-Analystin Birgit Kuras: „Auch in Wien ist die Welt eine andere geworden". Empfehlungen gibt es derzeit für defensive Werte wie Versorger und defensiven Konsum, ergänzt RCB-Mann Stefan Maxian. "Nur Cash ist fesch" laute derzeit die Devise laut Maxian. Nur wer in der Lage sei, sich selbst zu finanzieren und defensiv ausgerichtet sei, habe in der aktuellen Lage gute Karten.

An der Wiener Börse werden vorerst weitere Tiefstände nicht ausgeschlossen. Kuras seht den Leitindex ATX bis Jahresende bei 2.700 bis 3.200 Punkten. Den Finanzsektor haben die Analysten im vierten Quartal untergewichtet. Unter den Empfehlungen im Banksektor finden sich einlagestarke Titel wie Erste Bank. (rb)

 

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    "Nur Cash ist fesch" lautet derzeit die Devise.  Nur wer in der Lage sei, sich selbst zu finanzieren und defensiv ausgerichtet sei, habe in der aktuellen Lage gute Karten.

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