Chef von angeschlagener Fortis-Finanzgruppe zurückgetreten

27. September 2008, 09:42
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Aktie der belgisch-niederländischen Bank fiel auf tiefsten Stand seit 1995 - Belgische Regierung versucht zu beruhigen

Den Haag - Der Chef der angeschlagenen belgisch-niederländischen Fortis-Finanzgruppe, Herman Verwilst, ist angesichts der einbrechenden Aktienkurse des Unternehmens von seinem Posten zurückgetreten. Wie das Unternehmen am Freitag in einer Erklärung mitteilte, soll Verwilst mit sofortiger Wirkung durch den 52-jährigen Filip Dierckx ersetzt werden, den derzeitigen Direktor der Banksparte von Fortis.

Der Aktienkurs der Bank fiel auf den tiefsten Stand seit 1995. Grund für den Kurseinbruch waren Gerüchte über eine Liquiditätskrise der Bank, die Verwilst dementierte. Nach eigenen Angaben muss Fortis allerdings innerhalb und außerhalb Belgiens Vermögenswerte im Wert von fünf bis zehn Milliarden Euro veräußern. Um welche Geschäftsteile es gehe, teilte Fortis aus Rücksicht auf laufende Verhandlungen nicht mit. Für alle Bereiche, die für einen Verkauf infrage kämen, gebe es bereits potenzielle Interessenten und Vereinbarungen.

2,9 Milliarden Euro abgeschrieben

Als Folge der Krise um faule Hypothekenkredite musste Fortis in den vergangenen drei Quartalen rund 2,9 Milliarden Euro abschreiben. Eine Pleite droht nach Angaben des Unternehmens aber nicht. Im Laufe des Freitag verlor die Fortis-Aktie mehr als 20 Prozent ihres Werts und notierte zum Börsenschluss bei 5,20 Euro. Schon am Donnerstag war das Papier auf den tiefsten Stand seit 14 Jahren gefallen.

Belgiens Premierminister Yves Leterme rief Anleger und Sparer zur Gelassenheit auf. Die Regierung werde die belgischen Sparer nicht im Regen stehen lassen, versicherte er. Gemeinsam mit der zuständigen Aufsichtsbehörde und der Nationalbank verfolge die Regierung die Entwicklung bei Fortis genau, versicherten der Premier und Finanzminister Didier Reynders. Auf Fragen zu einer befürchteten Insolvenz gingen die beiden Politiker nicht ein.

Dem Konzern stehen nach eigenen Angaben derzeit rund 300 Milliarden Euro zur Refinanzierung zur Verfügung. Darüber hinaus gebe es weitere Sicherheiten. Die Bonität liege deutlich über dem regulatorischen Minimum. Weiteren Kapitalbedarf gebe es erst in den nächsten 12 bis 18 Monaten, wenn der Großteil der übernommenen Aktivitäten von ABN Amro integriert werde, hieß es. (APA/dpa)

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