"Schlafen können wir nach der Wahl"

27. September 2008, 09:55
406 Postings

Die Themenführerschaft hatte man in diesem Wahlkampf nicht wirklich - Kurz vor der Wahl hofft die ÖVP aber trotzdem auf einen Sieg

Parteichef Wilhelm Molterer setzt auf die letzten 48 Stunden.

*****

Abschlussveranstaltungen stellen eigentlich das Ende des Wahlkampfes dar. Nicht so bei der ÖVP. „Das ist ein Krafttanken für den Endspurt", sagt Bundesgeschäftsführerin Michaela Mojzis am Freitagabend beim offiziellen Abschluss-Event ihrer Partei. „Schlafen können wir nach der Wahl." Rund 1200 Funktionäre, alle von der Partei mit rot-weiß-roten Schals ausgestattet, marschieren in der Akademie der Wissenschaften in Wien auf.

Die Botschaft an sie: Auch wenn in den letzten Wochen alles auf einen Sieg der SPÖ hingedeutet hat, jetzt sei doch noch ÖVP-Triumph möglich. Parteichef Wilhelm Molterer formuliert es so: „Wahlkampfende ist am 28. September um 17.00 Uhr, und keine Sekunde früher." Pathetisch sagt er: „Es geht um alles." Einbegleitet wird Molterer von den Künstlern Megumi Otsuka und Mike Ottis, die auf Piano und Saxofon eine Mischung aus Jazz und Klassik zum Besten geben. Für Molterer weniger klassisch ist seine Rede. Er, der oft als blass und fad beschrieben wurde, gibt sich energisch, formuliert laut und teils auch deftig.


Die Wahl sei eine „Richtungsentscheidung": auf der einen Seite der „planwirtschaftliche Sozialismus" der SPÖ, auf der anderen die soziale Marktwirtschaft der ÖVP. „Es ist nicht so, dass man einen Arbeitsplätze erlächelt, man muss ihn erarbeiten." Und: „Wer sich auf den Staat verlässt, ist früher oder später selbst verlassen."Nicht fehlen darf das Warnen vor neuen Schulden. Rot-Grün-LIF wäre für ihn ein Schreckensszenario: „Jetzt haben wir den Grundsatz: Opferschutz vor Täterschutz. Würde dieses Prinzip dann umgekehrt?"

Gastgeber Johannes Hahn thematisiert nochmals die Rolle der Kronen Zeitung im Wahlkampf: „Mich würde es nicht wundern, wenn morgen das Horoskop einen Sieg für die SPÖ vorhersagen würde", ätzt er. Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl, der das 7200-köpfige Personenkomitee für Molterer anführt, macht sich über SPÖ-Chef Werner Faymann lustig: „Wir brauchen einen Bundeskanzler, für den die Welt nicht nördlich von Floridsdorf aufhört."

Um 18.45 Uhr ist der offizielle Abschluss zu Ende. Für Molterer geht es aber gleich weiter, heim nach Oberösterreich, zu den Bauern nach Sierning.

Molterer in der Heimat

Seine Freunde standen Spalier, als der Willi gemeinsam mit Landeshauptmann Josef Pühringer und Innenministerin Maria Fekter einzog. Ganz offenbar scheint das Enzelsdorfer-Gut in Sierning noch immer sein Zuhause zu sein. So gelöst lacht man wohl nur unter Freunden. Für den Stammtisch am Sonntag im Forsterhof sagt er sein Kommen zu, auch wählen geht er in Sierning, ehe er wieder nach Wien aufbricht.

Um sicher zu gehen, dass Molterer in der Heimat auch wirklich tosenden Applaus der rund 800 Besucher und Funktionäre erhielt, waren die Ortsbäuerinnen angehalten worden, während der Ansprachen keine Getränke auszuschenken. Denn die Hände mussten bei der Stehpartie zum Klatschen frei bleiben. Kampfeswillen bis um „Wahltag um 17 Uhr" versprach dann auch Pühringer. Schließlich gibt es in Oberösterreich noch 120.000 unentschlossene Wähler zu gewinnen. (Von Günther Oswald und Kerstin Scheller/DER STANDARD, Printausgabe, 27.9.2008)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    ÖVP-Chef Wilhelm Molterer gibt sich kämpferisch.

Share if you care.