Aufstand gegen ÖAAB-Chef Neugebauer

26. September 2008, 17:42
67 Postings

2500 Gewerkschafter drohen mit Austritt wegen Neugebauers Parlamentsauftritt

Die Marathonsitzung am vergangenen Mittwoch im Parlament hat für den ÖAAB-Vorsitzenden und Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), Fritz Neugebauer, noch ein Nachspiel. "Es reicht uns jetzt" , schimpfte Michael Paier, Betriebsratsobmann der steirischen Arbeiterkammer, "in den Bundesländern rumort es ordentlich."

Die GÖD-Mitglieder in den Arbeiterkammern, zumindest die mehrheitlichen rund 2500 SP-Gewerkschafter im Öffentlichen Kammerdienst, würden sich österreichweit seit der letzten Nationalratssitzung formieren, um einen geschlossenen Austritt aus Neugebauers GÖD vorzubereiten, sagte der GÖD-Chef der steirischen Kammern, Bernhard Koller, am Freitag im Gespräch mit dem Standard. Noch sei offen, in welche Gewerkschaft sie wechseln würden. Auslöser des Aufstandes in der GÖD ist Neugebauers Auftritt vor den Parlament. Konkret: der - letztlich abgelehnte - Entschließungsantrag von Neugebauer, Sozialminister Erwin Buchinger solle auf die Bundesarbeitskammer "nachdrücklich einwirken, dass diese die Höhe der Arbeiterkammerumlage merkbar und nachhaltig senkt" . Ein diesbezüglicher direkten Antrag des BZÖ auf gesetzliche Senkung der AK-Umlage ging ebenfalls nicht durch.

Die roten "GÖDler" sehen den Vorstoß ihres Gewerkschaftschefs jedenfalls als Affront. Eine Absenkung der Umlage diene nur dazu, die gesetzliche Interessenvertretung der Arbeitnehmer zu schwächen, argumentieren die Öffentlichen Gewerkschafter.Neugebauer hatte schon vor einigen Tagen warnende E-Mail-Post erhalten. Er möge seine Forderung nach Herabsetzung der AK-Umlage überdenken, richteten ihm die Gewerkschafter aus. Der GÖD-Chef müsse davon ausgehen, wenn er im Parlament für eine Senkung der AK-Umlage plädiere, würden die Öffentlichen Gewerkschafter "nicht länger Mitglieder einer Gewerkschaft bleiben, deren Vorsitzender sich offen gegen ihre Interessen stellt" , hieß es aus der GÖD. (Walter Müller/DER STANDARD-Printausgabe, 27. September 2008)

Share if you care.