Gekaperter Panzer-Frachter: Piraten warnen vor Armeeeinsatz

28. September 2008, 15:19
63 Postings

Lösegeldforderung angeblich auf fünf Mio. Dollar heruntergeschraubt - Augenzeugen: Von drei Kriegsschiffen eingekreist

Nairobi/Mogadischu - Somalische Piraten, die vor der Küste Ostafrikas ein ukrainisches Frachtschiff mit 30 Kampfpanzern gekapert haben, haben vor einem militärischen Befreiungsversuch gewarnt. Sollten französische oder US-Marineeinheiten versuchen, das Schiff zu stürmen, seien sie "für alles verantwortlich, was dann passiert". Der britische Rundfunksender BBC berichtete am Sonntag, inzwischen habe sich ein Zerstörer der US-Marine dem entführten Schiff auf Sichtweite genähert. Zunächst gab es aber keinen Hinweis darauf, dass ein Versuch geplant war, die "MS Faina" gewaltsam zu befreien. Ein Schiff der russischen Marine ist unterwegs in die Region.

Unterdessen haben die Piraten ihre Lösegeldforderung von 35 Millionen Dollar (23,9 Mio. Euro) auf fünf Millionen Dollar heruntergeschraubt. Die Herkunft der entführten Seeleute aus Osteuropa und die Tatsache, dass die Panzer bereits gebraucht seien, hätten offenbar zu dem "Preisnachlass" geführt, sagte Andrew Mwangura vom Ostafrikanischen Seefahrerprogramm in Mombasa. Zudem müssten die Piraten an Land gehen, um die Panzer zu entladen und hätten so ein höheres Risiko zu befürchten. Außer den Panzern und anderen Waffen, die unterwegs in den kenianischen Hafen Mombasa waren, sollen sich 20 Mann Besatzung in der Gewalt der Piraten befinden, unter ihnen auch ein 14 Jahre alter Bursche. Ein ranghoher Mitarbeiter des Kapitäns sage am Sonntag der russischen Nachrichtenwebseite Life.ru per Telefon, die Piraten wollten mit den Schiffseignern über Lösegeld sprechen. Er spreche von der Schiffsbrücke, die anderen 34 Mann an Bord würden in einem einzigen Raum festgehalten. Niemand sei verletzt. Die kenianische Regierung lehnte indes Verhandlungen mit den Piraten ab.

Frachter umzingelt

Nach Angaben eines somalischen Regierungsvertreters und von Augenzeugen haben mehrere ausländische Kriegsschiffe den ukrainischen Frachter umzingelt. Das Schiff sei am Sonntag in der Nähe der Hafenstadt Harardhere im Nordosten Somalias von drei Kriegsschiffen eingekreist worden, sagte der Berater des Präsidenten der somalischen Provinz Puntland, Bile Mohamoud Qabowsade, am Telefon der Nachrichtenagentur AFP. Eines der Schiffe stamme aus den USA, zwei weitere aus Ländern der Europäischen Union.

Aus US-Verteidigungskreisen verlautete, die "USS Howard" sei bis auf etwa 1.000 Meter an die "Faina" herangefahren. Mit der Bewachung sollte sichergestellt werden, dass die Piraten nichts von Bord bringen. Die US-Truppen schienen den Frachter solange zu bewachen, bis eine russische Fregatte die Region erreicht hat. Unter den Besatzungsmitgliedern sind Russen und Ukrainer.

Gefährliche Gewässer

Die somalische Küste gilt wegen der zahlreichen Piratenüberfälle als eines der gefährlichsten Gewässer für die internationale Schifffahrt. Derzeit befinden sich mehr als ein Dutzend Schiffe in der Gewalt von Seeräubern, die mit Schnellbooten und automatischen Waffen ausgerüstet sind. Die somalische Regierung unterhält keine Marine und ist gegen das Treiben der Piraten machtlos. UNO-Schätzungen zufolge erpressen die Piraten jährlich etwa 100 Millionen Dollar Lösegeld.

Ein japanischer Frachter, der am 20. Juli gekapert wurde, kam nach der Zahlung von zwei Millionen Dollar am Samstag frei, wie die Behörden von Puntland bekanntgaben. Ein griechisches Schiff mit Chemikalien an Bord wurde am selben Tag im Golf von Aden gekapert. Jährlich benutzen rund 20.000 Schiffe die Passage, die zu den meistbefahrenen Schifffahrtsstraßen der Welt zählt.

Der UNO-Sicherheitsrat hatte Anfang Juni alle Staaten ermächtigt, auch in somalischen Hoheitsgewässern gegen Piraten vorzugehen. Zuletzt überfielen Piraten auch einen Frachter einer Bremer Reederei sowie das Segelboot eines deutschen Paares. Die beiden Urlauber waren mehrere Tage in ihrer Gewalt. (APA/dpa/AP)

 

Share if you care.