Metaller übergaben Forderungspaket

26. September 2008, 14:29
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Die erste Etappe der Herbstlohnrunde ging über die Bühne, gefeilscht wird erst nach der Wahl. Konjunkturabschwächung und Teuerung erschweren die Verhandlugen

Wien - Beim Start der Herbstlohnrunde haben heute, Freitag, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter der Metallindustrie Einigkeit gezeigt, dass die Inflationsrate die untere Messlatte für einen Abschluss sei. Unter der Inflationsrate halte er nicht für realistisch, da dies die Arbeitsmotivation der Mitarbeiter gefährde, sagte Hermann Haslauer, Vertreter der Arbeitgeberseite vor Journalisten. Für die Arbeitnehmer müsse die Teuerung nachhaltig abgegolten und der Produktionsfortschritt ebenso nachhaltig berücksichtigt werden, betonte Arbeitnehmervertreter Erich Foglar von der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung.

Noch Ende August hatte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl Lohnabschlüsse unter der Inflationsrate nicht ausgeschlossen. Für ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer hingegen wäre ein Abschluss unter der Inflationsrate eine "Frechheit".

Kritik an kalter Progression

Zahlen wurden von beiden Seiten heute nicht genannt. Traditionellerweise wurden heute Nachmittag im Haus der Industrie die Forderungen der Arbeitnehmer an die Arbeitgeber übergeben. Das Wirtschaftsgespräch über die Konjunkturlage und die Situation in der Metallerbranche findet hinter verschlossenen Türen statt. Die Arbeitgeber sehen als untere Messlatte den Durchschnittswert der Inflationsrate in den vergangenen zwölf Monaten, das sind 3,33 Prozent. Für die Arbeitnehmer hingegen sind 3,5 Prozent Inflationsrate ausschlaggebend, nämlich der Durchschnittswert seit den letzten Verhandlungen im November 2007.

Einigkeit zeigten die Sozialpartner bei der deutlichen Kritik an der kalten Progression. "Das Steuersystem in Österreich ist eine Katastrophe für die arbeitenden Menschen" sagte Foglar. Von steuerfreien Einmalzahlungen halte die Gewerkschaft aber nichts, sondern trete für nachhaltig wirksame Lohnerhöhungen ein. Anders jedoch die Arbeitgeberseite, die in steuerfreien Einmalzahlungen durchaus eine gute Möglichkeit sieht, angesichts der sich abkühlenden Konjunktur die Betriebe nicht nachhaltig zu belasten. Die Auftragseingänge hätten sich bis zu 25 Prozent verschlechtert, klagte Haslauer. Die Verhandlungen müssten auf Standort- und Beschäftigungssicherung Rücksicht nehmen.

An der Frage, ob Einmalzahlungen geleistet oder eine höhere prozentmäßige Lohnanhebung gewährt wird, dürfte es sich heuer spießen. Die Arbeitgeberseite fürchtet eine drastische Abkühlung der Konjunktur, die Arbeitnehmer verweisen auf die sehr guten Jahre 2007 und 2008, wo die Betriebe hohe Gewinne erzielten.

Der Wahlkampf spielt bei den Sozialpartnerverhandlungen zwei Tage vor der Nationalratswahl offenbar keine Rolle. Als Gewerkschafter Foglar die ÖVP als Verhinderer einer vorgezogenen Steuerreform nannte, bekam er vom danebenstehenden Arbeitgebervertreter Haslauer einen Ellbogenrempler. Man solle doch die Parteipolitik aus den Lohnverhandlungen draußen lassen, polterte Haslauer. (APA)

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    Die Metaller übergaben ihr Forderungspaket, gefeilscht wird erst nach der Wahl.

    (Bild, v.l.: Metaller-Vertreter Erich Foglar, der Industrie-Sektionsobmann der Wirtschaftskammer Vorarlberg Christoph Hinteregger und Arbeitgeber-Verhandler Hermann Haslauer)

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