Sarajevo-Attentatswaffe geht auf Reisen

28. September 2008, 16:21
22 Postings

Mögliche Pistole, mit der Thronfolger Franz Ferdinand erschossen wurde, gemeinsam mit Handgranate vom HGM an "Imperial War Museum" in London verliehen

Wien - Zwei Exponate aus dem Heeresgeschichtlichen Museum (HGM) in Wien reisten dieser Tage nach London. Sie sollen ab Montag die Ausstellung "In Memoriam: Remembering the Great War" im "Imperial War Museum", die für ein Jahr den Ersten Weltkrieg zum Thema hat, ergänzen.

Unter den Leihgaben befindet sich auch eine der Pistolen, die beim Attentat von Sarajevo (28. Juni 1914) zum Einsatz kamen. Möglicherweise handelt es sich sogar um jene Waffe, mit der Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin Sophie von Hohenberg erschossen wurde.

Insgesamt verfügt das HGM über drei Pistolen, mit denen die insgesamt vier Attentäter bewaffnet waren. Es handelt sich um Browning-Modelle des Typs 1910/12 (Kaliber 9 mm kurz). Dass sie am 28. Juni 1914 verwendet wurden, ist anhand von historischen Polizeiprotokollen gesichert, erklärte Thomas Ilming vom HGM. Welche davon nun tatsächlich die Tatwaffe war, "kann man aber nicht mehr sagen." Ein Projektil für eine entsprechende forensische Untersuchung wurde nie gefunden.

Ausnahme-Verleihung

Außerdem schickte das HGM eine Handgranate des Typs "Kragujevac" nach Großbritannien. Diese ist zwar kein Originalstück von Sarajevo, allerdings wurden Granaten dieser Art bei dem Anschlag ebenfalls eingesetzt. Die Leihgabe nach London sei aber eine Ausnahme, weil es sich um ein renommiertes Museum handle, erklärte Ilming. An sich sei nicht geplant, die Exponate öfters "auf die Reise zu schicken."

Die Pistolen gehören erst seit Juni 2004 zum Fundus des Museums. Sie waren zuvor mit anderen Erinnerungsstücken vom Jesuitenorden verwahrt worden. Dabei handelt es sich neben den drei Waffen um das blutige Hemd von Franz Ferdinand, ein Kopfkissen sowie eine Rose, die Sophie von Hohenberg getragen hatte.

Letzte Ölung

In den Besitz des Ordens gelangten die Utensilien über einen Jesuitenpater, der bei der Ermordung im Gefolge war und Franz Ferdinand die Letzte Ölung gab. Der Geistliche, der damals in Sarajevo für die Jugendseelsorge gearbeitet hatte, hatte engen Kontakt zu Sophie.

Franz Ferdinand und seine Gattin Sophie waren in Sarajevo von Gavrilo Princip, einem Mitglied der nationalistischen Serbenorganisation ("Crna Ruka"/"Schwarze Hand"), erschossen worden. Das Attentat gilt als Auslöser für den Ersten Weltkrieg. (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine jener drei Pistolen, mit denen die insgesamt vier Attentäter bewaffnet waren, wurde an das Imperial War Museum in London verliehen.

Share if you care.