"Gugginger Künstler" Johann Fischer 88-jährig gestorben

25. September 2008, 14:45
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Der für seine "Inschriftierungen" Bekannte begann erst mit 62 Jahren zu zeichnen

Klosterneuburg - Der "Gugginger Künstler" Johann Fischer ist am frühen Dienstagabend im Krankenhaus Klosterneuburg gestorben. Der gesundheitliche Zustand des knapp 89-Jährigen hatte sich in der vergangenen Woche akut verschlechtert, teilte das Art / Brut Center Gugging am Donnerstag mit. Fischer hatte zuvor eine Oberschenkelfraktur erlitten. Er wäre am 5. Oktober 89 Jahre alt geworden.

Johann Fischer, 1919 in Kirchberg am Wagram geboren, absolvierte eine Lehre als Bäcker, arbeitete jedoch am elterlichen Bauernhof. Als er nach dem Einzug ins "Haus der Künstler" 1981 erstmalig zu zeichnen begann, war er bereits 62 Jahre alt. Ihn inspirierte die Produktivität der anderen Bewohner. Fischer war laut Art / Brut Center der disziplinierteste unter den "Guggingern". Sein Beruf war das Zeichnen, und den übte er auch von Montag bis Freitag - werktags also - vormittags aus. Er begann nach dem Frühstück und beendete seine Arbeit knapp vor dem Mittagessen, immer im Speisesaal und an "seinem" Tisch. Fischer erzählte in seinen Bildern Geschichten, in denen er seine Erinnerungen, seine Fantasien und Ideen mit den aktuellen Ereignissen verknüpfte. Er verwendete alle Papierformate und arbeitete ausschließlich mit Blei- und Farbstiften.

Stellte Fischer zu Beginn meist nur eine Figur dar, so hatte er über Jahre den Weg zu komplexen Bildkompositionen gefunden. Für diese zeichnete er zuerst Figuren, Tiere, Häuser, Pflanzen oder Maschinen und schuf damit eine räumliche Aufteilung. Die leeren Flächen dazwischen nutzte er dann für seine Texte. In diesen "Inschriftierungen" beschrieb der Künstler Schicksale und Errungenschaften, Techniken aus Landwirtschaft oder Maschinenbau, bezog Stellung zu Philosophie, Politik und Österreich. Das Art / Brut Center: "Seine Schriften waren ebenso stolz wie unorthodox. Grafisch bildeten sie den Füllgrund, inhaltlich sind sie voll von Wortneuschöpfungen und der Satzbau ist reizvoll verschachtelt und verschroben."

Gemeinsam mit den anderen Künstlern aus Gugging wurde Fischer 1990 der Oskar-Kokoschka-Preis verliehen. Seine Werke sind u.a. in der Sammlung Infeld, der Sammlung Bönningheim sowie in der Arnulf Rainers vertreten, zu sehen sind sie im Setayaga Art Museum Tokio, dem Philadelphia Art Museum, dem Landesmuseum Niederösterreich und anderen renommierten Häusern. (APA)

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