Das Leben ist kompliziert genug

19. September 2008, 09:01
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Immer mehr Funktionen, lautet seit vielen Jahren das digitale Paradigma - Weniger ist Peek - ein Handy, das nur mailen und sonst nichts kann.

Das Schweizermesser ist eine beliebte Analogie für digitale Geräte: immer mehr Funktionen in kleine Hüllen gepackt. Darum spricht zum Beispiel Nokia seit längerem vom "Multimedia-Computer" statt vom Handy, um die fast unausschöpfliche Vielfalt seiner Alleskönner anzupreisen. Manche Mobilfunker bauen in ihrer Werbung den obligatorischen Witz ein, dass man mit solchen Geräten auch telefonieren kann.

Vereinfachend

Aber in einem Gadget-Universum immer komplexerer Geräte gibt es seit einiger Zeit auch einen Gegentrend zur Simplifikation, und dessen jüngste Verkörperung ist Peek: sieht aus wie ein Blackberry, kann aber nur eine Sache, nämlich mobile E-Mails empfangen und versenden. Und selbst dabei herrscht Minimalismus vor: Die Mail beherrscht keine komplexen Formatierungen, wie sie zum Gestalten immer gebräuchlicher werden, und sie entledigt sich aller Anhänge mit der Ausnahme von Bildern (JPEG-Dateien).

Das von Peek, ein vom früheren Virgin-Mobile-Chef John Tantum gegründetes Start-up, entwickelte Gerät gibt es in drei Farben, es hat eine (US-)Qwerty-Tastatur und wie ein Blackberry ein Drehrad, um durch die Mailliste zu navigieren. Bis zu drei Mailkonten können eingerichtet werden, Peek erkennt die meisten Mailadressen (wie Hotmail oder Gmail), für schwierigere Fälle gibt es eine Hotline, die einem das Einrichten erledigt. Der einfache Spaß kostet 100 US-Dollar (69 Euro) und 20 Dollar (14 Euro) monatlich für den Mailservice von Peek (die wiederum T-Mobile als Provider benutzen). Derzeit gibt es Peek nur in den USA.

Seniorenhandy

Auch andere Produkte und Firmen setzen mit Erfolg auf Vereinfachung. So bietet die Linzer Firma Emporia ein "Seniorenhandy", das "nur" Telefonieren kann, große Tasten und Schrift bietet und nicht mit anderen Funktionen verwirrt. Flip von Pure Digital ist eine Videokamera mit Ein-Knopf-Bedienung, die direkt an den PC oder Mac angesteckt werden kann - das 125 Dollar teure, wie ein Spielzeug wirkende Gerät war im Vorjahr die meistverkaufte Videokamera in den USA.

Auch der überraschende Erfolg des taschenbuchkleinen, 300 Euro teuren Eee-PC beruht wesentlich auf Simplifikation: Konzentration auf Internet, alles andere ist in abgespeckter Form vorhanden. (Helmut Spudich / DER STANDARD Printausgabe, 19.09.2008)

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Peek

  • Nur E-Mail, sonst gar nichts: Peek (links), ein weiteres Beispiel für den Trend zum einfachen digitalen Leben. Andere, von oben rechts: Eee-PC für Internet, Flip- Videokamera mit Ein-Knopf-Bedienung, Seniorenhandy von Linzer Emporia.
    grafik: hersteller

    Nur E-Mail, sonst gar nichts: Peek (links), ein weiteres Beispiel für den Trend zum einfachen digitalen Leben. Andere, von oben rechts: Eee-PC für Internet, Flip- Videokamera mit Ein-Knopf-Bedienung, Seniorenhandy von Linzer Emporia.

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