Wechselkurse im Griff der Finanzkrise

18. September 2008, 08:50
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Investoren meiden Risiko - Der US-Dollar erlebt ein fulminantes Comeback

Im Krisenfall wünschen sich alle Anleger ein krisensicheres Investment, einen sicheren Hafen für ihr Geld. Auch die Währungen haben in den vergangenen Wochen unter diesem Gesichtspunkt heftige Kursausschläge hinnehmen müssen.

Besonders der japanische Yen und der Schweizer Franken haben die Eigenschaft des sicheren Hafens übernommen. Der Yen hat gegen den Euro in nur einem Monat mehr als 7,6 Prozent zugelegt. Der Schweizer Franken hat gegen die europäische Gemeinschaftswährung ebenfalls zugelegt.

Doch der Markt steht weiter im Bann des wichtigsten Wechselwährungskurses weltweit: zwischen dem Euro und dem Dollar. In nur einem Monat hat der Dollar mehr als 3,5 Prozent gegen den Euro zugelegt und notierte zwischenzeitlich bei unter 1,39. Noch vor drei Monaten war der Euro immerhin über 1,60 Dollar wert. Die aktuelle Konjunkturschwäche der Eurozone wird als wichtigster Grund für den Fall der Gemeinschaftswährung gesehen.

Unter Druck sind aber auch die Währungen einiger Schwellenländer. Der brasilianische Real büßte gegen den Dollar etwa elf Prozent ein, nachdem Anleger wieder Vertrauen in den amerikanischen Greenback gewonnen hatten. Der mexikanische Peso büßte 4,7 Prozent an Wert ein und der russische Rubel ebenfalls vier Prozent.

Besonders in Asien sind Zentralbanken und Investoren derzeit nervös. Die aktuelle Finanzmarktkrise hat zu großen Mittelabflüssen geführt, und die asiatischen Notenbanken bemühen sich um eine Stützung ihrer Währungen. In Korea konnte die Notenbank etwa die wichtige Schwelle von 1050 Won je Dollar nicht halten. Die Währung kollabierte weitere fünf Prozent und notierte bei bis zu 1125 je Dollar.

Auch in Malaysia hat sich die Währung seit dem letzten Monat massiv verbilligt. Die Politik spielt bei den Währungen eine wichtige Rolle. Der Georgien-Krieg hat den russischen Rubel auf Talfahrt geschickt, die neuerliche politische Destabilisierung in der Ukraine hat dort den Hryvnia gebeutelt. Damit werden Währungen auch volatil bleiben, solange die Märkte nervös sind. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 18.9.2008)

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