Größte britische Bausparkasse steht vor Notverkauf

17. September 2008, 18:20
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Die Finanzkrise bringt die britische Halifax Bank of Scotland ordentlich ins Trudeln, die Aktien verloren kurz nach Börsenstart knapp 40 Prozent

London - Großbritanniens größte Bausparkasse HBOS - Halifax Bank of Scotland, sie finanziert jeden fünften Hypothekarkredit auf den britischen Inseln - steht vor dem Notverkauf an einen größeren Konkurrenten. Offenbar angefeuert von Premierminister Gordon Brown prüfte am Mittwoch die viertgrößte Bank des Landes, Lloyds TSB, die Übernahme des angeschlagenen Instituts.
Ungeachtet einer Garantieerklärung der Londoner Finanzaufsichtsbehörde FSA setzten jedoch die Aktienhändler an der London Stock Exchange ihre Verkäufe der HBOS-Aktie fort.

Zwar hat die Kreditkrise HBOS gebeutelt, der Vorsteuergewinn sackte im ersten Halbjahr um 70 Prozent ab. Unter Analysten gilt das in Edinburgh ansässige Institut, hervorgegangen aus einer Fusion der Bausparkasse Halifax und der Bank of Scotland, aber als solide. Man verfüge "über beträchtliche Ressourcen" , beteuerte ein Konzernsprecher. Das Institut sei "gut finanziert" , assistierte die FSA (Financial Services Authority).

Angriffsziel von Spekulanten

HBOS hat rund zwei Millionen Kleinaktionäre. Das Institut wurde deshalb wie schon im Frühjahr Angriffsziel von Spekulanten, die - zu Recht - in ihren Termingeschäften darauf setzen, die britische Regierung werde einen Zusammenbruch eines dermaßen großen Players mit dermaßen vielen Kunden und privaten Aktionären nicht zulassen. Die Intervention des Premierministers bestätigt dies: Zugunsten eines Mergers mit Lloyds TSB will die Regierung bisher bestehende Wettbewerbsvorschriften außer Kraft setzen.

Die HBOS-Aktie war im vergangenen Jahr elf Pfund wert, stand vergangene Woche bei drei Pfund und notierte am frühen Mittwoch morgen zeitweise bei 88 Pence. Dem möglichen Übernahmeangebot durch Lloyds liegt offenbar ein Aktienkurs von drei Pfund und damit ein Börsenwert von 15,8 Milliarden Pfund zugrunde. (Sebastian Borger, London, DER STANDARD, Print-Ausgabe,18.9.2008)

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