"This is straight talk - some of you won't like it"

9. Oktober 2008, 10:15
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Mit ihrem konservativen Blog voll Polemik und Patrio­tismus gehört Michelle Malkin zu den schillerndsten und kontro­versesten Figuren in der US-Medienszene - Ein Porträt

Schuhgröße 36, schulterlanges dunkles Haar und große haselnussbraune Augen. Niemand würde  dieser zarten Person mit exotischem Aussehen und den viel zu stark geschminkten Lippen zutrauen, auch nur einer Fliege etwas zu Leide tun zu können. Sobald Malkin jedoch ihren Mund öffnet, um auf FoxNews ihren Kommentar zu politischen Themen abzugeben, weiß man, warum die 38-jährige zu den scharfzüngigsten Kommentatorinnen des konservativen US-Nachrichtensenders zählt: "I am just sick of all my 'fellow' asian-americans playing their race card here." Unter "Mehr Rassismus gegen Asiaten (jetzt von einer Asiatin) auf FoxNews" lernt man das wahre Gesicht Michelle Malkins kennen: das Gesicht einer der gefürchtetsten Journalistinnen, Bloggerinnen und Patriotinnen in der amerikanischen Medienszene. 

"Ja, ich bin wirklich bei den Linken - beim Klub der Linkshänder"

Kein Wunder, dass Malkin mit ihren Aussagen polarisiert und damit häufig zur Zielscheibe von Angriffen ihrer "liberalen Gegner" wird. Entschuldigungen für Aussagen, die unter die Gürtellinie gehen, bekommen die Betroffenen selten zu hören. "Leser meiner Blogs wissen, dass ich mit all meiner Arbeit wenig Zeit habe, über das zu reflektieren, was ich schreibe - weil ich zu beschäftigt bin, eben das zu tun," schreibt Malkin in einem ihrer Einträge. Viel zu tun hat Malkin nicht nur wenige Monate vor den US-Wahlen: Seit 2004 berichtet die Journalistin täglich auf ihrer Internetseite über die US-amerikanische Politik. Wie die selbst ernannte "Full-Time" Journalistin noch Zeit für ihren Ehemann und ihre zwei Kinder findet, erklärt sie mit "Multitasking": Mit dem Laptop auf dem Schoß und ihrem Handy zwischen Schulter und Kopf eingeklemmt jettet Malkin rastlos von Staat zu Staat, um bei Aktivistentreffen hautnah dabei zu sein. Ganz bewusst geht sie damit das Risiko ein, mit denjenigen in Kontakt zu treten, denen sie mit ihrer Arbeit auf die Füße tritt. Erst vor wenigen Wochen flüchtete sie vor einem Mob aufgebrachter Obama-Aktivisten, der sie davon abhalten wollte, den Parteitag der Demokraten in Denver zu besuchen.

Malkin Hype und Hass

In YouTube-Videos wird die Journalistin zur "World's Worst Person" gekürt. Auf Websiten lassen andere Blogger ihren Hass auf Malkin freien Lauf. Malkin hat in der schnelllebigen Bloggerszene ein wirksames Überlebensmittel gefunden: Mit ihrem polemischen und häufig beleidigenden "Straight Talk" sicherte sich die Journalistin bereits ein Jahr nachdem sie ihre Website gestartet hatte, Leser, Seher und Aufmerksamkeit: In einer 2005 intern erstellte Liste von US-Internetjournalisten landete Malkin mit ihrem damals sehr jungen Blog auf dem vierten Platz. 

Mit Rassismus punkten

Trotz ihrer patriotischen Liebe zu den USA blieb Malkin stets auf Heimatsuche und wechselte im Laufe ihrer Karriere rastlos ihren Wohnort: Ihre ersten Versuche als Journalistin startete Malkin bei den LA Daily News Anfang der 90er Jahre. Dann ging es in den Nordwesten zu den Seattle Times, um ab 1999 häufig Kommentare auf dem Nachrichtensender FoxNews zu liefern. Ihren Durchbruch schaffte Malkin 2002 mit ihrem ersten Buch "Invasion: Wie Amerika noch immer Terroristen, Kriminelle und andere ausländische Bedrohungen an unseren Grenzen willkommen heißt". In ihrem 332 Seiten starken Bestseller kritisiert Malkin die US-Einwanderungspolitik und argumentiert, dass "Integration als nationales Sicherheitsthema behandelt werden muss". Malkin kritisiert stets die Einbürgerungspolitik in Amerika, bei dem Neugeborenen automatisch die US-Staatsbürgerschaft anerkannt wird. Dabei war Malkin selbst bei ihrer Geburt auf diese Weise amerikanische Staatsbürgerin geworden: Als Tochter eines philippinischen Arztes, der dank eines Visa-Bescheides in den USA arbeiten durfte, wurde Malkin 1970 in Philadelphia geboren. Im Oberlin College im Bundesstaat New Jersey an der Westküste der USA entwickelte die junge Frau ihre Abneigung auf die "radikalen Linken in dieser grauenhaften liberalen Kunstschule".

Workaholic

Malkin sticht aus der Masse tausend anderen konservativen Blogger hervor, deren tägliche Fingerübung es ist, Barack Obama als "elitären Liberalen" zu titulieren. Denn dank ihrer minutiösen Berichterstattung über die US-Wahlen und "Insider Informationen" aus der US-Medienwelt gelingt es Malkin, in der wachsenden Zahl der Blogger nicht unterzugehen. Malkin war einer der ersten kritischen Republikanerinnen, die sich nach Sarah Palins Nominierung zur Vizepräsidentschaftskandidatin vor wenigen Wochen mit McCain versöhnten. Mit Palin trat eine Person auf das republikanische Spielfeld, die auch von Malkin goutiert wird: In ihren Blogeinträgen wittert nun die 38-jährige Journalistin Angriffe der "linken Blogger" gegen ihre Favoritin Palin. Nur wenige Augenblicke nachdem Palin zur republikanischen Vizepräsidentschaftskandidatin gekürt worden war, wehte ein komplett anderer Wind in der konservativen "Blogsphere". Nicht zuletzt dank der Mobilisierung von BloggerInnen wie Malkin konnte McCain nach den republikanischen Conventions seinem Wahlkampf neues Leben einhauchen. Auch nach den Präsidentschaftswahlen am 4. November wird Malkin nicht der Stoff für ihre Geschichten ausgehen. Schließlich gilt es dann die Politik des neuen US-Präsidenten mit scharfen Worten zu kommentieren. (Martina Powell/ derStandard.at, 9.10.2008)

Links:

HotAir: Malkins "konservatives Internet-Netzwerk". "Allahpundit" - Urvater des "Blogs" - und Ed Morrisey zählen mit Malkin zu den berühmtesten Mitgliedern der Vereinigung.

Auf der Website townhall.com gibt es Kolumnen der US-amerikanischen Journalistin zum Nachlesen. Auf ihrer eigenen YouTube-Seite kann man sich sowohl Malkins FoxNews Beiträge als auch andere Clips zu den US-Wahlen ansehen.

  • Journalistin, Autorin und Bloggerin: Michelle Malkin
    Foto: FReeper dinasour

    Journalistin, Autorin und Bloggerin: Michelle Malkin

  • Malkin posiert mit "Kriegshelden" bei der Veranstaltung "Conservative Political Action Conference". Links im Bild Colonel Bud Day und rechts der Vietnam Veteran Bob McMahon.
    Foto: hotairstaff

    Malkin posiert mit "Kriegshelden" bei der Veranstaltung "Conservative Political Action Conference". Links im Bild Colonel Bud Day und rechts der Vietnam Veteran Bob McMahon.

  • YouTube-Video: Malkin wird auf MSBNC zur "World's Worst" person gekürt.
    Foto: derStandard.at/ Screenshot

    YouTube-Video: Malkin wird auf MSBNC zur "World's Worst" person gekürt.

  • YouTube-Clip: Michelle Malkins Kommentar auf FoxNews, in dem sie ihre "asian american 'fellows'" kritisiert, die ständig die "Rasissmus-Karte" ausspielen würden.
    Foto: derStandard.at/ Screenshot

    YouTube-Clip: Michelle Malkins Kommentar auf FoxNews, in dem sie ihre "asian american 'fellows'" kritisiert, die ständig die "Rasissmus-Karte" ausspielen würden.

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