Der Weg zum besten MBA-Programm

16. September 2008, 11:00
1 Posting

"Ein MBA neben dem Job ist eine Tour de Force für das eigene Ressourcen- management", weiß RHI- Manager Franz Buxbaum

Wie findet man das für die eigenen Ansprüche am besten geeignete Executive-MBA-Programm? Bernhard Madlener sprach darüber mit RHI-Manager und Imadec-Absolvent Franz Buxbaum.

STANDARD: Sie haben zehn Jahre nach Abschluss Ihres Physikstudiums einen Executive MBA (EMBA) absolviert. Hat sich das gelohnt?

Buxbaum: Ja. Ein EMBA als "Post-Experience-Programme" für Führungskräfte bietet den Vorteil, dass man eng mit Kommilitonen zusammenarbeitet, die durchschnittlich fünf Jahre Führungserfahrung aus verschiedenen Kontexten mitbringen und meist über 35 Jahre alt sind. Fokus und Methodik sind bei guten Anbietern am neuesten betriebswirtschaftlichen Stand.

STANDARD: Was hat Sie dazu bewogen, mit Ende 30 noch zu studieren?

Buxbaum: Zu dieser Zeit wurde mir als Vollbluttechniker klar, dass ich zusätzlich betriebswirtschaftliches und strategisches Know-how benötige, um in einem zunehmend internationalen Konzernumfeld künftig adäquat gerüstet zu sein.

STANDARD: Wie stellten sich Ihre Ziele damals dar?

Buxbaum: Mein Ziel war der Erwerb von fundierten, praxisbezogenen betriebswirtschaftlichen Kenntnissen und der Fähigkeit, Ansätze des strategischen Managements erfolgreich in die Unternehmenspraxis umzusetzen. Eine besondere Herausforderung war das Erweitern des eigenen Handlungsspektrums zur Bewältigung von Komplexität und Instabilität sowie für das Gestalten von Veränderungsprozessen. Besonders profitiert habe ich von volkswirtschaftlichen Vorlesungen - ich habe daraus sogar ein neues Hobby gemacht. Es war auch von Vorteil, dass das Programm auf Englisch stattfand, zumal das zu diesem Zeitpunkt in der RHI Konzernsprache wurde.

STANDARD: Nach welchen Kriterien soll man das Studium wählen?

Buxbaum: Der EMBA muss zu den individuellen Zielen und Bedürfnissen passen; es gibt nicht den einen "richtigen" oder "falschen" Anbieter. Das Curriculum sollte eine solide, strategisch orientierte Zusatzqualifikation bieten und auf eine Position im Senior Management vorbereiten. Wenn die Zulassungsvoraussetzungen zu niedrig sind, ist mit einem geringeren Niveau der Teilnehmer zu rechnen. Ein Vortragenden-Mix aus internationalen Professoren und Praktikern steht für maximalen Wissenserwerb.

STANDARD: Wie wichtig ist die Reputation des Anbieters?

Buxbaum: Sie beeinflusst den Wert des Abschlusses auf dem Arbeitsmarkt. Das gilt besonders für MBA-Programme von internationalen Institutionen wie den Top-Anbietern in den USA - Kellogg, Harvard, MIT -, aber auch für europäische Business Schools à la Insead oder die London School of Economics. Sie nehmen Spitzenplätze in einschlägigen Rankings ein und garantieren ihren Absolventen meist hochbezahlte Positionen.

STANDARD: Differenzieren österreichische Arbeitgeber dabei stark?

Buxbaum: Ich würde den Wert eines MBA-Titels bei der Personalauswahl und -entwicklung geringer gewichten, zumal die tatsächliche Qualität bei einer solchen Vielzahl von Anbietern und Programmen - speziell bei branchenspezifischen "Professional MBAs" - schwierig einschätzbar ist. Wesentlich für Interessenten ist in diesem Zusammenhang aber die Akkreditierung durch anerkannte Institutionen wie Equis. Sie garantiert eine hohe Qualitätssicherung. Es ist aber darauf zu achten, dass nicht nur ein Programm eines Instituts die Akkreditierung besitzt und diese möglicherweise, durch nebulose Information der Interessenten, auf alle Programme angewandt wird.

STANDARD: Wie vereinbart man Beruf und Studium am besten?

Buxbaum: Für Menschen, die sich ein Vollzeitprogramm aussuchen können, ist es sicher leichter. Da es in einem bestehenden Dienstverhältnis meist kaum möglich ist, sich für einige Monate karenzieren zu lassen, kommt in diesem Fall nur die berufsbegleitende Variante infrage. Diese umfasst etwa 50 geblockte Studientage an Wochenenden und eine oder mehrere Blockveranstaltungen in den USA oder Asien. Auch zwischen den Lehrveranstaltungen fällt sehr viel Arbeit an. Die Problematik lässt sich mit Urlaubstagen oder Zeitausgleich lösen, wenn Partnerin bzw. Partner und Familie mitspielen.

STANDARD: Was auch für diese eine Herausforderung darstellt ...

Buxbaum: Absolut. Ich habe erlebt, dass Beziehungen daran zerbrochen sind oder, im gegenteiligen Fall, dass Partnerschaften besonders gestärkt wurden. Jedenfalls bedeutet ein MBA neben dem Job immer eine Tour de Force für das eigene Ressourcenmanagement. (POSTGRADUATE- STANDARD, Printausgabe, 13./14.9.2008)

  • Zur Person
Franz Buxbaum (52) studierte technische Physik in Graz und absolvierte
einen Executive MBA an der Imadec University. Er leitet eine
Werksgruppe im RHI-Konzern mit fünf Produktionswerken im In- und
Ausland.
    foto: privat

    Zur Person

    Franz Buxbaum (52) studierte technische Physik in Graz und absolvierte einen Executive MBA an der Imadec University. Er leitet eine Werksgruppe im RHI-Konzern mit fünf Produktionswerken im In- und Ausland.

Share if you care.