Drei Nächte in der Disco mit Ausblick

12. September 2008, 19:39
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Dachgeschoß-Club erhitzt Gemüter

Wien - "Das war sehr ungeschickt", meint Sascha Göbel. Schließlich, so der Büroleiter der Bezirksvorsteherin von Wien Alsergrund, Martina Malyar (SP), habe der Bezirk den Betreibern der "Skykitchen" gesagt, dass "wir am Montag evaluieren, ob mehr als ein dreitägiger Probebetrieb genehmigt werden kann." Dass die Betreiber von Wiens neuester Clubbinglocation sich aber durch lautes PR-Getöse so in die Öffentlichkeit rückten, dass weder Konkurrenz noch notorisch um ihre Ruhe besorgte Nachbarn jene Hundertschaften, die derzeit nach Mitternacht auf der Alserbachstraße Schlange stehen, übersehen konnten, "ist nicht gerade schlau."

Mittwochabend fand in der "Skykitchen", einem 300-Quadratmeter-Loft im siebenten Stock eines leerstehenden Bürogebäudes im neunten Bezirk, die erste Partynacht statt. Und die Partymacher mit dem Astronautenlogo wollen sechs Monate feiern: mit Blick auf den Kahlenberg - und in einer Wohngegend. "Die Bewilligung liegt vor", erklärt Clubmacher Fredric Mann auf Standard-Anfrage - und räumt nur widerwillig ein, dass die nur für drei Nächte gilt. Auch dass er keine Betriebsanlagengenehmigung hat, hört Mann nicht gern: "Wenn das bekannt wird, ist das ganze Projekt gefährdet."

Im Bezirk hält man den Dachboden-Tänzern aber guten Willen zugute. Göbel: "300 Leute auf der Straße erregen Aufmerksamkeit - da hört man Lärm, den man sonst nie wahrnehmen würde." Denn die Musikanlage ist plombiert und die Loft-Fenster bleiben (trotz Hitzestaus) geschlossen.

Dass die erste Party schon am Mittwoch war und somit bis Sonntag eigentlich viermal gefeiert wird, irritiere indes bloß Bürokraten, meint Locationbetreiber Mann: "Das war rein privat, das hat also mit uns gar nichts zu tun."(Thomas Rottenberg, Der Standard Print-Ausgabe, 13./14.09.2008)

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