Übervater und Ziehsohn

12. September 2008, 19:05
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Von Leopold Wagner (SPÖ) zu Jörg Haider (BZÖ)

Klagenfurt - Er war der bisher längstdienende Landeshauptmann Kärntens: Der SPÖ-Grande Leopold Wagner (81) regierte Kärnten von 1974 bis 1988 durchgehend - und das mit absoluter Mehrheit. Zumindest was die Amtsdauer betrifft, könnte Jörg Haider (BZÖ), der seit 1999 Kärntner Regierungschef ist, nach der Landtagswahl 2009 mit Wagner gleichziehen.
Trotz unzähliger Skandale und seines bundespolitischen Absturzes haftet Haider in Kärnten aber wie Wagner der Nimbus des Unbesiegbaren an.

Der Oberösterreicher Haider war 1976 vom Kärntner FPÖ-Obmann Mario Ferrari-Brunnenfeld als Landesparteisekretär rekrutiert worden. Er sollte zunächst die verstaubte Kärntner Honoratiorenpartei als liberaler Hoffnungsträger aufmöbeln. Doch es kam anders.
Es dürfte wohl eine Art Hassliebe gewesen sein, die den roten Übervater Wagner mit dem aufstrebenden blauen "Jungspund" in den 1980er-Jahren verbunden haben mochte. Einerseits fand Wagner in Haider seinen eigentlichen politischen Ziehsohn und "besten Schüler" , neben dem seine eigenen Kronprinzen verblassten. Andererseits setzte Haider der allgegenwärtigen SPÖ schwer zu. Es gelang ihm, Machtmissbrauch, Parteibuchwirtschaft und die Wirtschaftsinkompetenz der SPÖ (am Pleite-Zellstoffwerk Magdalen) erfolgreich zu thematisieren. Auch viele "Nationale" und "Ehemalige" , die Wagner durch sein Bekenntnis, ein hochgradiger Hitlerjunge gewesen zu sein, an die SPÖ gebunden hatte, wechselten in Haiders FPÖ-Lager, weil der ebenfalls NS-Reflexe bediente.

Nach einem Schussattentat zog sich Wagner 1987 aus der Politik zurück. Sein Nachfolger Peter Ambrozy verspielte 1989 die "rote Absolute" und den Landeshauptmann erstmals an Haider. Der wurde 1991 nach seinem Lob der Beschäftigungspolitik im Dritten Reich abgewählt und wechselte in die Bundespolitik. Seit damals kam die SPÖ nicht mehr zur Ruhe. In heftige Flügelkämpfe zwischen dem "nationalen" und "liberalen" Lager zerrissen, sucht man bis heute vergeblich nach einem Wunderwuzzi vom Kaliber eines Leopold Wagner. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Printausgabe, 13.9.2008)

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