Stumpfe Waffe gegen Tuberkulose wieder scharf gemacht

14. September 2008, 19:31
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Neue alte Impfung wird an Menschen getestet: BCG-Vakzine aus dem Jahr 1921 gentechnisch weiter entwickelt und wirksamer gemacht

Berlin/Wien - Ein neuer Impfstoff gegen Tuberkulose wird seit Anfang dieser Woche in Neuss an freiwilligen Probanden auf seine Sicherheit getestet. Das Vakzin mit der Bezeichnung "VPM1002" ist in Deutschland seit mehr als 80 Jahren der erste Lebendimpfstoff gegen Tuberkulose, der den Schritt in die klinische Prüfung geschafft hat.

Der Impfstoff basiert auf einer seit 1921 verwendeten BCG-Vakzine, die gentechnisch so weiter entwickelt wurde, dass sie wesentlich wirksamer eine Infektion mit Tuberkulose-Bakterien verhindert als ihr Vorgänger, berichtet die Max-Planck-Gesellschaft.

"Der von französischen Forschern entwickelte BCG-Impfstoff gegen Tuberkulose ist die weltweit am häufigsten verabreichte Lebendvakzine", erklärt Stefan Kaufmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. In vielen Fällen zeigt dieser Impfstoff aber keine Wirkung mehr. "Wir wollten die stumpf gewordene Waffe BCG wieder scharf machen", so der Immunologe. "Dazu haben wir den Impfstoff gentechnisch so verändert, dass er sich vor dem menschlichen Immunsystem nicht mehr verstecken kann, sondern es optimal stimuliert."

Wirksam und sicher

Bisher habe sich der neue Impfstoff im Tiermodell als äußerst wirksam und sicher erwiesen. Diese gute Wirkung müsse nun auch am Menschen nachgewiesen werden, damit der Impfstoff zugelassen wird. "Selbst wenn sich der neue Impfstoff verträglich erweist, muss er noch weitere Testphasen auf Wirksamkeit durchlaufen. Das dauert mindestens noch zehn Jahre", meint Kaufmann. (pte/red)

  • Fresszellen und Tuberkulose-Erreger.
    foto: mpi für infektionsbiologie/volker brinkmann

    Fresszellen und Tuberkulose-Erreger.

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