Löw schwärmte trotz Punkteverlust

11. September 2008, 16:10
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DFB-Trainer war vom "unglaublichen Tempo" im Spiel gegen Finnland an­getan - Hitzfeld trotz De­bakel topmoti­viert - Spanien-Coach Del Bosque nach 4:0-Sieg kritisch

Wien - Bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist am Tag nach dem 3:3 in Finnland in der WM-Qualifikation in Helsinki wieder Ruhe eingekehrt. Selbst für Dreifach-Torschütze Miroslav Klose war es nur eine stille Genugtuung, seine Ladehemmung eindrucksvoll abgelegt zu haben. Während Trainer Joachim Löw zufrieden war, schlug Bastian Schweinsteiger wie Spaniens Neo-Teamchef Vicente Del Bosque nach dem 4:0 gegen Armenien kritische Töne an. Für Ottmar Hitzfeld war die Schweizer 1:2-Blamage gegen Luxemburg "eine der schlimmsten Niederlagen".

Löw: "Ein gewonnener Punkt"

Löw stellte sich schützend wie ein Vater vor seine Spieler. "Ich bin mit dem einen Punkt zufrieden. Es ist ein gewonnener Punkt, weil wir dreimal einem Rückstand nachgelaufen sind. Das Spiel war nicht lasch oder behäbig, sondern hatte unglaubliches Tempo", schwärmte Löw. Sogar die phasenweise desolat agierende Abwehr mit Innenverteidiger Heiko Westermann und Serdar Tasciwurde wurde von kritischen Worten verschont.

Schweinsteiger sauer

Deutlich kritischer als der Bundestrainer äußerte sich der unermüdlich rackernde Schweinsteiger. "Statt sechs Punkten sind es nur vier. Wir hatten auch Chancen für sechs Tore. Ich hasse es, unentschieden zu spielen. Die Finnen sind nicht schlecht, aber wir sind eigentlich eine Klasse besser. Auf alle Fälle sind das zwei verloren Punkte", sagte der Münchner.

Klose happy

Kein einziger Jubel-Salto nach den drei Toren, keine Abrechnung mit den Kritikern - Matchwinner Klose genoss seinen Befreiungsschlag mit stiller Genugtuung. "Das war kein Glücksabend und keine Befreiung", behauptete der wieder coole Knipser. Ob Stürmer sein Traumjob sei? "Spielerfrau wäre schöner, aber Stürmer ist auch nicht schlecht", scherzte der Bayern-Angreifer. 44 Tore in 84 Länderspielen stehen für Klose nun zu Buche, Uwe Seeler ist in der ewigen DFB-Torjägerliste von Platz sechs verdrängt.

Del Bosque sah verschwendete Minuten

Allen Grund zum Jubel hätten die Spanier, die nach zwei Spielen bei sechs Punkten halten. Doch Teamchef Del Bosque überraschte nach dem 4:0 über Armenien mit seiner Meinung: "Wir müssen noch mehr von uns verlangen. Wir haben zu viele Minuten verschwendet." Bei den Spaniern, die bereits 25 Spiele ungeschlagen sind, traf EURO-Torschützenkönig David Villa zum 2:0 und 3:0 und hält damit bereits bei 21 Toren in 38 Spielen. Der eingewechselte Barca-Jungstar Bojan Krkic gab sein Teamdebüt.

Zu viele Pfiffe und Kritiken für Toni

Weltmeister Italien fuhr einen sicheren, wenn auch glanzlosen 2:0-Erfolg in Udine gegen Georgien ein und kommt damit ebenso auf die Maximal-Ausbeute von sechs Zählern. Luca Toni fühlte sich trotz des Sieges zum Sündenbock abgestempelt. "Seit ich im Ausland spiele, bekomme ich zu viele Pfiffe und Kritiken. Wenn Italien nicht gut spielt, ist Toni schuld", beklagte sich der Stürmer von Bayern München. Der 31-Jährige ist seit der EM ohne Torerfolg und gerät deshalb zunehmend unter Druck.

Hitzfeld denkt nicht an Rücktritt

Am Tag nach der blamablen 1:2-Niederlage gegen Luxemburg nahm Nationalcoach Ottmar Hitzfeld Stellung zum Debakel von Zürich. "Das war eine meiner schlimmsten Niederlagen", erklärte der Ex-Bayern-Coach. Er sei aber kein Mensch, der bei Rückschlägen sofort aus der Bahn gerate. Er habe in keinem Moment an Rücktritt gedacht. "Wenn es brennt, bin ich noch motivierter. Ich gebe noch lange nicht auf, wir haben noch acht Spiele vor uns."

Überraschungsteam Albanien

Die favorisierten Portugiesen kassierten in letzter Minute überraschend eine 2:3-Heimpleite gegen Dänemark. Nachdem Deco in der 86. Minute per Elfmeter die Weichen auf Sieg stellte, drehten Poulsen (89.) und Jensen (92.) das Spiel für die Dänen. Sensationeller Tabellenführer in der Gruppe mit Schweden (2:1 gegen Ungarn) ist Albanien. (APA/dpa/Reuters/Si)

 

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