Gegen den Klassenkampf in der Kunst

10. September 2008, 17:26
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Rudolf Berger präsentierte das Kulturprogramm der Liberalen

Wien - Vor zwei Jahren war der SPÖ der eintrittsfreie Tag pro Monat in die Bundesmuseen wichtig; im Wahlprogramm 2008 hingegen will man den Gratiseintritt für alle bis 19. Ein eigenständiges Kulturministerium ist zudem kein Thema mehr.

Rudolf Berger hingegen, Ex-Volksoperndirektor und nun Kultursprecher des Liberalen Forums, fordert genau ein solches: für Kunst, Kultur und Kommunikation (inklusive Neue Medien und Auslandskultur). Denn das Experiment Kunststaatssekretariat sei zweimal (unter SP- wie VP-Führung) "schief gegangen" , die Kultur als "Anhängsel" auch nicht das Wahre: "Kunst und Kultur sind zu wichtig, als dass man sie als Vierteltagsbeschäftigung abtun darf."

Die Kunstförderung dürfe zudem kein "Gnadenakt" politischer Entscheidungsträger sein (man solle auch die Hand beißen können, die einen füttert): Berger fordert eine "objektivierte und nachvollziehbare Vergabe" der Mittel. Ihm schwebt die Errichtung eines "Kulturrates" als eine vom Ministerium abgekoppelte, unabhängige Institution vor, die mit der Verteilung der Fördermittel betraut ist. Die Mitglieder der Fachjurys sollen regelmäßig wechseln, mehrjährige Förderungen nicht nur für Organisationen, sondern auch für Personen möglich sein.

Dass die großen Häuser gegen die freien Künstler, das Neue gegen die Tradition ausgespielt werden, hält Berger für "grundverkehrt" : Dieser "Klassenkampf" schade der Kunst, den Künstlern und der Bedeutung Österreichs als Kulturnation. Bergers Vorschlag: mehr Geld. Einerseits vom Staat - und andererseits von Sponsoren, für die steuerliche Anreize (Absetzbarkeit) geschaffen werden sollten. Zudem müsse das Antikorruptionsgesetz dringend überarbeitet werden, um Kultursponsoring nicht zu gefährden.

Dringenden Reformbedarf sieht das LIF auch bei der sogenannten Künstlersozialversicherung, da die Gesetzesnovelle 2007 die für viele Künstler verheerende Situation kaum verbessert habe.

Bei der Präsentation des Kulturprogramms am Mittwoch hielt Berger nicht nur ein Plädoyer für die kulturelle Vielfalt (sie sei ein Indikator für den Freiheitsgrad einer Gesellschaft), sondern auch für die Restitution: "Was gestohlen wurde, gehört zurückgegeben!" Der VP-Vorschlag, das Rückgabegesetz einschränkender zu formuliereren, empfindet Berger als einen "Skandal" . (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.9.2008)

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