Wiener Durchschnitts-Schuldner mit 67.000 Euro

10. September 2008, 14:18
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Justizministerin Maria Berger will Privatkonkurs reformieren - Schuldnerberatung feierte 20-jähriges Bestehen

Wien  - Der durchschnittliche Wiener Schuldner steht mit 67.159 Euro in der Kreide, hat höchstens einen Pflicht- oder Lehrabschluss und ein monatliches Bruttoeinkommen unter 1.000 Euro, beschreibt die Wiener Schuldnerberatung den klassischen Schuldner. Die Beratungsstelle hilft seit 20-Jahren verschuldeten Menschen aus ihrer Zwangslange zu finden.

Im Zuge der Feierlichkleiten bekräftigte Justizministerin Maria Berger (SPÖ) im Beisein von Wiens Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) den Privatkonkurs bis Jahresende zu reformieren.

6.257 Klienten

Laut Schuldnerberatung müssen 77 Prozent ihrer derzeit 6.257 Klienten mit einem Bruttoeinkommen von unter 1.000 Euro haushalten. Die Schuldenhöhe beläuft sich bei 14,1 Prozent auf über 100.000 Euro, wobei 169 Betroffene sogar mit mehr als einer Viertelmillion Euro verschuldet sind. Bei 81,3 Prozent liegen die Schulden immerhin zwischen 10.000 und 100.000 Euro.

Durchschnittsalter: 42 Jahre

Das Durchschnittsalter der Schuldner beläuft sich in Wien auf 42 Jahre, wobei mehrheitlich Menschen zwischen 26 und 56 Jahren betroffen sind. Bei der Geschlechtsaufteilung überwiegen die Männer leicht, die 55 Prozent der Klienten stellen.

Die Arbeit der Wiener Schuldnerberatung, die unter anderem vom Fonds Soziales Wien, der Arbeiterkammer und der Caritas getragen wird, hat sich dabei seit 1988 vervielfacht: Waren anfangs 300 Menschen jährlich in Betreuung, rechnet man für das laufende Jahr mit 7.000 Neuzugängen. Ein Grund sei der zunehmend leichte Zugang für Risikogruppen zu Konsum auf Kredit, klagte Leiter Alexander Maly. Und die internationale Entwicklung lasse nicht erwarten, dass die Überschuldung privater Haushalte zurückgehe.

38,1 Prozent der 4.286 privaten Konkurseröffnungen in Österreich in den ersten sechs Monaten 2008 stammen aus Wien - ein Anstieg von 23,2 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2007. Der bundesweite Anstieg liegt bei 16,7 Prozent. Insgesamt werde die zunehmende Verschuldung privater Haushalte ein immer drängenderes Problem, unterstrich Berger. Deshalb arbeite sie derzeit an einer Reform, die bis Jahresende vorliegen soll. Deren Eckpunkte seien eine schnellere Entschuldung und eine Flexibilisierung im Privatkonkursverfahren. (APA)

 

 

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