Piloten auf Kriegsfuß

9. September 2008, 17:28
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Protest gegen Einschnitte - Regierung: "Zustimmung oder Konkurs"

Mailand - Piloten und Flugbegleiter der Alitalia boykottieren den Sanierungsplan. Die vom neuen Alitalia-Chef Rocco Sabelli präsentierte Rationalisierung sei ein "Massaker", kommentierte die Pilotengewerkschaft Anpac und verließ den Verhandlungstisch.

Auch die Arbeitnehmervertreter der Flugbegleiter kritisierten die geplante Arbeitszeitverkürzung und Beschränkung der Freizeit. Sie distanzierten sich ebenfalls von den Verhandlungen. Sabelli: "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen."

Der Sanierungsplan sieht nicht nur die Streichung von zahlreichen Langstreckenflügen vor. Auch sollen nicht nur die Gehälter, sondern auch die Urlaubs- und "Ruhezeiten" gekürzt und die Arbeitsbedingungen an andere Fluggesellschaften angepasst werden. Das heißt unter anderem, dass das Jahresgehalt eines Piloten von derzeit 68.000 bis 121.000 Euro auf 50.000 bis 100.000 Euro gesenkt wird.

Mehr Rentabilität

Bei den Flugbegleitern soll das jährliche Bruttogehalt von derzeit 32.000 bis 51.000 Euro auf 25.000 bis 38.000 Euro reduziert werden. Der Kampf wird auch der hohen Absenzrate der Piloten (sechs Prozent) angesagt. Sabelli geht es vorrangig darum, die Rentabilität der Fluggesellschaft zu erhöhen. Der aus den großen drei Gewerkschaftsgruppen (CGIL, Cisl, Uil) zusammengesetzte Dreierbund hat sich zwar kritisch gegenüber den neuen Arbeitsverhältnissen geäußert, ist aber bereit, weiter zu diskutieren.

Inzwischen wurde in Regierungskreisen bestätigt, dass die Gewerkschaften bis 11. September ihre Zustimmung geben müssen, andernfalls werde der Konkurs angemeldet. Diese Frist soll nun angeblich um einige Tage verlängert werden. Laut Wirtschaftsminister Giulio Tremonti dürfen keine öffentlichen Institute oder Regionalverwaltungen Anteile an Alitalia erwerben. (Thesy Kness-Bastaroliaus Mailand, DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2008)

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