"Da schau, der Faymann!"

8. September 2008, 13:10
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Mit Werner Faymann auf dem Donauinselfest: Schweinsbraten, russische Volkslieder und viel nackte Haut - eine derStandard.at-Reportage

"So, leg ma los". Es ist Sonntag Nachmittag, und SPÖ-Spitzenkandidat Werner Faymann tut, was auch hunderttausende andere Österreicher an diesem Tag tun: Er geht aufs Donauinselfest. Im dunklen Anzug, das Sakko lässig über eine Schulter geworfen, wirkt Faymann wie aus dem Ei gepellt - und entspricht nicht ganz dem Dresscode der Insulaner. Der lautet nämlich angesichts der Hitze eher: So nackt wie möglich. Der Inseltermin ist ein Muss für die roten Wahlkämpfer, und angesichts der roten Ein-Parteien-Herrschaft auf der Insel einer der angenehmeren. "Da schau, der Faymann!" Ein junger Mann mit Bierdose hält kurz inne und bewundert den wahlkämpfenden SPÖ-Spitzenkandidaten und seinen Tross von HelferInnen, die Kulis, Autogrammkarten und Zuckerl verteilen.

Kinder und Tiere

Und Faymann tut, was von ihm erwartet wird: da werden Hände geschüttelt, Kinder und Tiere getätschelt, es wird gewunken und gegrüßt. Erste Station: Der Stand der Wildalpen Wien. "Das ist das deftigste Standl", lacht Bundesgeschäftsführerin Doris Bures, die sich der Gruppe angeschlossen hat. Birnenschnaps und Sterz stehen aber momentan nicht auf der Tagesordnung, ein bisschen Lob noch für die Standl-Inhaber, schon geht es weiter. "Servas, ich komm dann eh noch mal wieder".

Der Star der Insel

Querfeldein geht es Richtung SPÖ-Zelt, wo Pensionistenchef Charly Blecha und der Wiener Bürgermeister Michael Häupl schon auf Faymann warten. "Jetzt mach ma mal eine kurze Regenerationsphase", regt Häupl an. Bei Schweinsbraten und Krautsalat wird pausiert, bis es wieder hinaus ins Inselleben geht.
Je später der Nachmittag, desto größer die Menschenmengen - und desto geringer die Berührungsängste. Der Spitzenkandidat zum Angreifen wird von allen Seiten umringt, fotografiert, bestaunt. Faymann hält sich tapfer, auch wenn Michael Häupl der eigentliche Star der Insel ist. Der Wiener Bürgermeister ist in seinem Element, und man kennt ihn. Da hat er Faymann etwas voraus. Der lächelt zwar von tausenden Plakatwänden, aber er ist eben "der Neue". Wenn die beiden roten Granden bei den diversen Stationen begrüßt werden, fällt der Applaus für Häupl immer eine Ecke lauter aus.

Ukrainische Gesänge

Auf der Kinderfreunde-Bühne singt gerade der ukrainische Mädchenchor Belaja Rusija das russische Volkslied "Kalinka". Da bemerkt der Moderator die prominenten Zuhörer und unterbricht die SängerInnen, um die Gäste zu begrüßen. Die Mädchen sind verdutzt. Bis in die Ukraine hat sich die österreichische Innenpolitik dann doch noch nicht rumgesprochen. Dann dürfen sie aber doch noch singen, während Faymann und Häupl mehr oder weniger andächtig lauschen.

Fotos mit Faymann

Inzwischen hat sich rumgesprochen, dass "Prominente" da sind. Und es tritt ein schönes Lehrbeispiel dafür ein, wie der Dominoeffekt funktioniert: Ein Kind lässt sich, gemeinsam mit dem roten Spitzenkandidaten, fotografieren - und dann gibt es kein Halten mehr. Eine Horde Kinder will jetzt nur noch Eines: Ein Foto mit den Politikern. "Mama, wer ist das?", fragt ein schüchternes Mädchen mit großen Augen. Egal, ein Foto muss her. Ob alle hier auch die SPÖ wählen? "Das ist nix für mich, Politik", meint ein Mann mit Migrationshintergrund, die SPÖ sei ihm eben so recht wie alle anderen Parteien. "Außer vielleicht der Strache, der ist nicht gut". Eine Autogrammkarte mit dem Konterfei des lächelnden Werner Faymann nimmt er aber trotzdem mit, schaden kann es ja nicht.

Wetterumschwung

Eine asiatische Kinderschar will noch mit aufs Foto, noch ein Händedruck hier, eine Umarmung da, schon geht es weiter zur nächsten Bühne. Faymanns Tag auf der Donauinsel neigt sich dem Ende zu - und am Himmel ziehen dunkle Wolken auf. "Ein Sturm kommt", meint ein Mitarbeiter. Bis der da ist, ist der rote Wahlkampftag aber schon vorbei. Die Insel hat es gut gemeint mit Werner Faymann an diesem Sonntag. (Anita Zielina, derStandard.at, 8.9.2008)

  • SPÖ-Spitzenkandidat Faymann und Bundesgeschäftsführerin Doris Bures.
    foto: derstandard.at/winkler-hermaden

    SPÖ-Spitzenkandidat Faymann und Bundesgeschäftsführerin Doris Bures.

  • Bürgermeister Michael Häupl und Pensionistenchef Karl Blecha erwarten den Spitzenkandidaten.
    foto: derstandard.at/winkler-hermaden

    Bürgermeister Michael Häupl und Pensionistenchef Karl Blecha erwarten den Spitzenkandidaten.

  • Häupl begrüßt "seinen" Werner Faymann.
    foto: derstandard.at/winkler-hermaden

    Häupl begrüßt "seinen" Werner Faymann.

  • Eine kleine Stärkung: Schweinsbraten und Krautsalat.
    foto: derstandard.at/winkler-hermaden

    Eine kleine Stärkung: Schweinsbraten und Krautsalat.

  • Der SPÖ-Mannschaft spaziert über die Donauinsel.
    foto: derstandard.at/winkler-hermaden

    Der SPÖ-Mannschaft spaziert über die Donauinsel.

  • Zum Abschied ein Faymann-Familienfoto.
    foto: derstandard.at/winkler-hermaden

    Zum Abschied ein Faymann-Familienfoto.

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