Leseschwache Schulabgänger

5. September 2008, 17:58
posten

Lehrstellensuchende zeigen oft Mängel bei den Kulturtechniken

"Rund ein Fünftel der 15-Jährigen kann nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen" , bezog sich Bundeskanzler Alfred Gusenbauer im Mai, bei der Vollversammlung der Arbeiterkammer Oberösterreich, auf die Ergebnisse vorangegangener Pisa-Studien. "Diese jungen Menschen haben es schwer, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden."

Die Arbeitsmarktdaten belegten Ende August eine Jugendarbeitslosenrate, die zwar um 1,4 Prozent niedriger war als zwölf Monate zuvor, in absoluten Zahlen gab es aber 31.852 Jugendliche ohne Arbeit. Die zuständige Staatssekretärin Christine Marek zeigte sich erfreut über die Entwicklung am Lehrstellenmarkt, wo die Zahl der Suchenden im Jahresvergleich um 4,3 Prozent sank. Die Differenz zwischen Angebot und Nachfrage betrug zuletzt 3588 - ein Rückgang von "sensationellen16,7 Prozent", so Marek.

Kommunikatives Defizit

Dennoch steht damit eine beträchtliche Anzahl junger Menschen ohne einen Ausbildungsplatz da - nicht zuletzt, weil viele Betriebe, trotz staatlicher Förderungsmaßnahmen, keine Lehrlinge mehr aufnehmen wollen.

Diese Entscheidung beruhe in der Regel auf schlechten Erfahrungen, sagt Johannes Steinringer, Bildungsforscher und Leiter der Lehrstellenberater, die bundesweit auf Initiative des Vorarlberger Unternehmers Egon Blum, Regierungsbeauftragter für Lehrlingsfragen, ernannt worden sind.

Wenn Pisa Mängel bei den grundlegenden Kulturtechniken attestiert, erweitert Steinringer das Thema um die Kommunikationsfähigkeit und die Frage des richtigen Benehmens - daran scheitern viele Lehrstellensuchende. "Wenn bestimmte Formen der Verlässlichkeit, der Freundlichkeit und der Präzision nicht gegeben sind, oder wenn jemand die Aufträge, die der Ausbildner vergibt, nicht versteht" , dann dürfe man sich auch nicht wundern, wenn der Wille zur Lehrausbildung sinke. Gerade im Umgang mit Maschinen und Geräten - wo also erhöhte Sicherheitsmaßnahmen gelten -, sei die Wurschtigkeit mancher Bewerber fehl am Platz.

"In Ballungsräumen hat etwa ein Viertel der Schulabgänger massive Schwierigkeiten" in einem der geschilderten Bereiche, so Steinringer. Am Land seien es bis zu zehn Prozent.

Die Ursachen lägen gleichermaßen bei Schulen und Eltern - die oft überlastet seien -, wobei Steinringer zuversichtlich ist: Die Zukunft liege bei der Integration von Lehre und Matura - gleichzeitig oder in wechselnder Abfolge. Die dadurch verlängerten Ausbildungswege ermöglichen es auch, Mängel zu beheben. (apa, mad/DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.9.2008)

Share if you care.