Geschützte Werkstatt

24. Februar 2003, 19:09
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Grasser Grasser der österreichischen Kapitalmarktöffnung einen provinziellen Charakter - Von Karin Bauer

In diesen Tagen hat sich wieder ein Promi-Gremium aus der heimischen Wirtschaft zusammengefunden, das den Finanzplatz Österreich "europareif" machen will. Eine Million Euro soll dafür in Kampagnen fließen, die aus Österreich endlich ein Volk von Aktionären machen sollen statt dem bloßen Stimmvieh, das auf Vater Staat und seine Versorgung wartet. Federführend auch dabei: Finanzminister Karl-Heinz Grasser.

Ein guter und wichtiger Ansatz, vor allem die "europareife" Ambition mit dem Blick über das Gatter des eigenen Stalls.

Ernst gemeint kann das aber nicht sein, denn grasen sollen die kapitalmarktfrohen Kühe ja nur auf heimischen Wiesen. Nur dort dürfen sie finden, was sie brauchen. In heimischen Aktien und in heimischen Fonds. Wie sonst ist es zu erklären, dass der Staat zwar jetzt (endlich) die private Pensionsvorsorge fördert, die Anlegergelder aber verpflichtend an die Wiener Börse führt?

Damit verleiht Grasser der österreichischen Kapitalmarktöffnung einen provinziellen Charakter, für den er sich auch im Fondsgeschäft nicht schämt: Dort werden ausländische Fonds wesentlich höher, bei Anleihen sogar doppelt so hoch besteuert wie inländische.

Den 23 heimischen Fondsgesellschaften, überwiegend Bankentöchter, hat das gut getan, sie haben selbst während der Börsenbaisse eine stetige Steigerung der Einlagen auf nunmehr 90 Milliarden Euro verzeichnet. Argumente gegen ein Investment in ausländische Fonds haben sie mit der Steuerschranke genügend erhalten. Das hat den Fondsvertrieb der Ausländer in Österreich auch umgebracht.

Bedauernswert für Fidelity & Co, noch schlimmer aber für die heimischen Anleger. Denn ihnen wird damit die Wahlmöglichkeit im riesigen Universum der Anlageprodukte geraubt.

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