INA-Anleger über MOL-Angebot verstimmt

2. September 2008, 15:57
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Die Kleinaktionäre wollen ein Gegenangebot der OMV, institutionelle Anleger sehen Synergieeffekte. Eine erwartete Liberalisierung des Gasmarktes wurde nicht berücksichtigt

Wien - Über das Angebot des ungarischen Öl- und Gaskonzerns MOL für den kroatischen Energiekonzern INA haben sich die Investoren enttäuscht gezeigt. Die institutionellen Anleger bewertet das jetzt bekanntgewordene Angebot als nicht angemessen, da ihrer Meinung nach der Unternehmenswert darin nicht fair bemessen wurde. Die gebotenen 2.800 Kuna (392 Euro) pro Aktie liegen unter dem durchschnittlichen Wert der INA-Aktien, zu denen sie im August an der Börse gehandelt wurden, betonten die Großanleger laut der kroatische Nachrichtenagentur Hina.

Darüber hinaus kritisieren die institutionellen Anleger, dass der Preis pro Aktie nur geringfügig über dem gesetzlichen Mindestangebot - laut kroatischen Medienberichten 2.573,34 Kuna - liege. Es würden die Synergieeffekte bei einer INA-Übernahme durch die MOL, die von Analysten zwischen 100 und 200 Mio. Euro bewertet werden, sowie die erwartete weitere Liberalisierung des Gasmarktes nicht berücksichtigt.

Erwartet bis schockierend

Bei den Kleinanlegern wird das Angebot als "erwartet" bis "schockierend" eingestuft. Die Vereinigung der INA-Kleinanleger will die österreichische OMV auffordern, ein Gegenangebot zu veröffentlichen. Die OMV sei an der kroatischen INA nur im Falle eines "transparenten Privatisierungsprozesses" interessiert, erklärte ihr Pressesprecher Thomas Huemer heute, Dienstag. An den im Streubesitz befindlichen Aktien habe man kein Interesse.

Empfohlen werde bis dahin, die INA-Aktien nicht zu verkaufen, berichtete die kroatische Wirtschaftszeitung "Poslovni dnevnik". Auch die Börse reagierte verhalten auf das Angebot der Ungarn: Die INA-Aktie legte im Vergleich zum vergangenen Freitag um 0,11 Prozent auf 2.790,01 Kuna zu.

Bei der Raiffeisen Centrobank (RCB) wird nicht erwartet, dass die MOL mit ihren Angebot einen bemerkenswerten Anteil an INA-Aktien erwerben wird. Laut RCB-Analysten könnten der von der kroatischen Regierung favorisierte Aktientausch zwischen den beiden Ölkonzernen ausschlaggebend für den angebotenen geringen Aktienpreis sein oder die MOL will einfach den Markt testen, hieß es in einer Aussendung.

MOL hatte am 12. August der kroatischen Finanzaufsichtsbehörde HANFA ein Angebot zur Übernahme der 31 Prozent im Streubesitz befindlichen INA-Aktien zu laut Medienberichten je 2.800 Kuna zur Genehmigung vorgelegt. Dies wurde von der Behörde genehmigt. Damit wären die 3,015.081 im Privatbesitz befindlichen Aktien 8,44 Mrd. Kuna Wert. Die Ungarn halten derzeit eine Sperrminorität an dem kroatischen Ölkonzern. (APA)

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