"Weitergeben von Preisen nie geübt"

1. September 2008, 18:50
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Chemiehändler Brenntag sieht viele Konkurrenzfirmen in Osteuropa unter Druck

Wien - Der international tätige Chemiehändler Brenntag, der sein Osteuropageschäft in der Brenntag CEE in Wien gebündelt hat, rechnet mit einer Erschütterung des Marktgefüges in den Ländern vom Baltikum bis zum Balkan. Grund sind die raketenartig in die Höhe geschossenen Rohstoffpreise.

"Die Unternehmen in der Region haben das Weitergeben von Preisen nie geübt und kommen jetzt ins Trudeln" , sagte der Chef von Brenntag CEE, Helmut Struger, dem Standard. "2008 ist ein Schlüsseljahr, wir rechnen mit einer Konsolidierung am Markt."

Die Branche ist im Osten Europas deutlich kleinteiliger als im Westen. In Westeuropa gibt es rund 1500 Unternehmen mit etwa 40.000 Mitarbeitern, die sich mit der Distribution chemischer Produkte beschäftigen. In Osteuropa sind es 2000 Betriebe, die rund 20.000 Mitarbeiter beschäftigen und rund vier Mrd. Euro umsetzen.

Einige Länder, etwa Polen, seien mit der Privatisierung im Rückstand. Viele Chemiehandelsunternehmen konnten sich nach Ansicht von Struger zuletzt nur aufgrund jahrzehntelanger Verbindungen zu Staatsunternehmen über Wasser halten. Die Rohstoffhausse könnte für viele nun das Aus bedeuten.

Brenntag CEE, die zum gleichnamigen deutschen Konzern gehört, der Eigenangaben zufolge Weltmarktführer in der Chemielogistik ist, hat die Preise über alle Produkte hinweg zuletzt um durchschnittlich fünf bis sechs Prozent erhöht. Dabei seien einzelne Rohstoffe teilweise um mehrere hundert Prozent teurer geworden, sagte Struger.

So habe sich beispielsweise Schwefel seit Jahresbeginn von 50 Dollar auf 700 Dollar (476 Euro) je Tonne verteuert; der Preis für Vitamin C habe sich in den vergangenen eineinhalb Jahren von drei Euro auf 20 Euro je Kilo fast versiebenfacht. Auch der Preis für Massenprodukte sei in die Höhe geschnellt. Der Preis von Natronlauge etwa habe sich verdoppelt.

In Österreich ist die aus der Neuber GmbH hervorgegangene Brenntag außer in Wien noch an fünf weiteren Standorten vertreten. 2007 hat Brenntag CEE mit 1320 Mitarbeitern 715 Mio. Euro (plus elf Prozent) umgesetzt. Rund 5,5 vom Umsatz seien als Gewinn (Ebitda) übriggeblieben, sagte Struger. Für heuer ist ein Umsatz von knapp 850 Mio. Euro budgetiert. Bis Ende Juli lag der Umsatz um 11,8 Prozent höher, das Ebitda um 22 Prozent. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.9.2008)

  • Rechnet mit Konsolidierung: Helmut Struger, Chef des Chemie- distributors Brenntag CEE.
    foto: standard/brenntag

    Rechnet mit Konsolidierung: Helmut Struger, Chef des Chemie- distributors Brenntag CEE.

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