Der Umbau der Deutschen Telekom läuft auch nach der geplanten Schließung von Call-Centern weiter. "Wir müssen dieses Unternehmen effizienter machen und auf eine nachhaltige Basis stellen. Wir haben da keine Alternative", sagte Telekom-Vorstand Timotheus Höttges in Berlin der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Der Vorstand wisse, wo er hinwolle: Moderne Netze, Service und effiziente Strukturen. "Das wird noch Veränderungen bringen. Aber nicht mehr in einem so großen Bereich wie den Call-Centern."

Call-Center in 39 Städten sollen geschlossen werden

Der Bonner Konzern will Call-Center in 39 Städten schließen, wovon rund die Hälfte der insgesamt 18.000 Beschäftigten des Geschäftsbereichs betroffen ist. Die Gewerkschaft Ver.di kritisiert die Pläne scharf. Nachdem in der vergangenen Woche Telekom-Mitarbeiter gegen die Schließung demonstriert hatten, kündigt Ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder eine Verschärfung der Proteste an. Er bezeichnete den Umbau zuletzt als unsozial und wirtschaftlich unsinnig.

Ohne Rücksprache

Schröder bemängelte zugleich, dass der Telekom-Vorstand die Einschnitte ohne Rücksprache mit Ver.di durchdrücken wolle. Das Verhältnis zwischen Arbeitnehmerseite und Konzernführung gilt seit dem Streik Mitte vergangenen Jahres um die konzerninterne Verlagerung von rund 50.000 Beschäftigten als gestört. Höttges wies die Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Umbau der Call-Center zurück: "Wir haben zeitnah Ver.di und den Konzernbetriebsrat informiert." Im Interesse des Managements sei ein konstruktiver, fairer Dialog mit den Gewerkschaften und den Betriebsräten. "Wir wollen niemanden überfahren. Wir sind aber in einem Transformationsprozess, der solche harten Schritte immer wieder notwendig macht", sagte Höttges.

Rückendeckung erhielt der Vorstand um Telekom-Chef Rene Obermann vom Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrich Lehner. Dieser hatte nach einer Strategiesitzung am Samstag erklärt: Der Aufsichtsrat setze ausdrücklich auf die Weiterverfolgung der Konzernstrategie, zu der auch ein notwendiger Personalumbau gehöre, der so sozialverträglich wie möglich vorgenommen werde. Die Deutsche Telekom sieht sich auf ihrem Heimatmarkt massiv unter Konkurrenzdruck, was den Umsatz Jahr für Jahr schmälert. In den vergangenen Jahren wurden daher mehrere Zehntausende Stellen der Festnetzsparte gestrichen; weitere stehen zur Disposition.

"Wir brauchen dauerhafte Stabilität für möglichst sichere Arbeitsplätze"

Im Jahr 2010 sollen die Umsätze von T-Home steigen. "Wir brauchen dauerhafte Stabilität für möglichst sichere Arbeitsplätze", sagte Höttges. Zufrieden äußerte er sich über die erzielten Einsparungen, die auch durch den Abbau von Arbeitsplätzen erzielt wurden. "Unser (operatives) Ergebnis hat sich seit zwei Quartalen stabilisiert. Das zeigt, dass unsere Maßnahmen funktioniert haben."

Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über den Umbau der Call-Center will Höttges möglichst bald abschließen. "Ich hoffe, dass wir vor Weihnachten eine Lösung haben werden." Er bekräftigte, dass allen betroffenen Mitarbeitern eine neue Stelle angeboten werden soll. "Wir lassen niemanden im Regen stehen." Die Deutsche Telekom werde versuchen, den Mitarbeitern, für die ein Wechsel nicht zumutbar sei, eine andere Arbeit anzubieten, sagte Höttges. (APA/dpa)