Gewinn der RZB schrumpft

1. September 2008, 13:35
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Weitere Abwertungen wegen Subprimes - Frisches Kapital kommt

Wien - Wohl hatte der frisch aus dem Urlaub zurückgekehrte Chef der RaiffeisenZentralbank (RZB), Walter Rothensteiner, befürchtet, mit seinen Halbjahresergebnissen 2008 "einen Gähn-Reflex" auszulösen - ganz so langweilig war die Entwicklung aber doch nicht.

Zwar ist das Spitzeninstitut des Raiffeisensektors vor allem dank der Beiträge ihrer Ostbanken-Holding Raiffeisen International (RI) wieder gewachsen: Die Bilanzsumme stieg um 16 Prozent auf 159 Mrd. Euro, die Zahl der Retailkunden erhöhte sich in der Gruppe um 700.000 auf mehr als 14,3 Millionen; auch dieser Zuwachs geht aufs Konto der RI, die in 16 Ländern Ost- und Südosteuropas aktiv ist.

Um fast ein Viertel (auf 1,2 Mrd. Euro) zugelegt hat auch das operative Geschäft (Betriebsergebnis). Der Vorsteuergewinn der RZB ist um fast vier Prozent auf 878 Mio Euro gestiegen - und trotzdem könnte der Motor sanfter schnurren.

Denn die Folgen der internationalen Finanzkrise haben sich auch im erstenHalbjahr wieder in Form vonAbwertungen auf strukturierte Produkte in der Bilanz manifestiert. Die Folge sind Bewertungsverluste, die dem Österreich-Geschäft zugerechnet werden.
284 Mio. Euro sind es laut Rothensteiner im erstenHalbjahr gewesen, gebucht wurde das ergebniswirksam.

Die Folge: Der Gewinn im Konzern ist im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um mehr als 18 Prozent gesunken - und zwar auf 393 Millionen Euro, Rothensteiner interpretierte das so: "Wir sind so in Fahrt, dass die Finanzkrise noch beißt, aber nicht wirklich bremst." Von einem "Getriebeschaden" könne keine Rede sein.

Freilich hat die Finanzkrise die Raiffeisenbanker bereits "im Vorjahr gebissen" ; im zweiten Halbjahr 2007 waren Abwertungen und Wertberichtigungen von 312 Mio. Euro angefallen.

Was Rothensteiner in demZusammenhang noch erwähnte: "Viel" von bilanziellen Auswirkungen der Finanzkrise verdanke man der Bilanzierungsmethode IFRS; sie mache die Abschreibungen nämlich erst notwendig. Rothensteiner:"Das ist ein wirklicher Unfug, wir müssen abschreiben, obwohl die Papiere (preislich; Anm.) wieder zurück kommen", meinte er. Und: Echte Abschreibungen (also solche, die sich nicht mehr gutmachen lassen) gebe es nur in geringem Umfang, rund vier Mio. Euro.
Wiederholungen gibt es auch im Bereich der Kapitalbeschaffung: Im kommenden Herbst möchte sich die Bank - wie in den vergangenen beiden Jahren auch -, eine Kapitalspritze von ihren Eigentümern holen, auch diesmal geht es um 150 Mio.Euro. Zwar brauche man das Kapital "nicht dringend, trotzdem haben wir lieber mehr als weniger Eigenkapital", formulierte der Bankchef das recht klar.

Sehr entspannt gab er sich in dem Pressegespräch in Zusammenhang mit der politischenEntwicklung rund um Russland. Zwar hat der Konzern in Russland und der Ukraine jeweils rund sechs Milliarden Euro an Firmenkrediten vergeben; trotz der abkühlenden Atmosphäre Russland-EU ist Rothensteiner nicht besorgt. "Ich schlafe jeden Tag (gemeint war wohl: Nacht; Anm.) besser, die politischen Turbulenzen werden unsere Geschäfte nicht beeinflussen." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.9.2008)

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