Palin-Nominierung spült Millionen in Wahlkampfkasse

31. August 2008, 09:01
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Einen Tag nach Bekanntgabe nehmen Republikaner rund sieben Millionen Dollar ein - Lob, Kritik und Verwunderung über die Wahl der jungen Gouverneurin zur Vizekandidatin McCains

St. Louis - Die Nominierung von Sarah Palin als seine Vizekandidatin hat dem republikanischen US-Präsidentschaftsbewerber John McCain rund sieben Millionen Dollar (4,75 Mio. Euro) in die Wahlkampfkasse gespült. Am Samstag, einen Tag nach der Bekanntgabe von Palins Vizekandidatur, gingen nach Angaben von McCains Wahlkampfteam mehr als 4,5 Millionen Dollar im Internet und 2,3 Millionen Dollar per E-Mail oder Telefon als Spenden ein. "Das ist mehr, als wir im gesamten vierten Quartal 2007 gesammelt haben", sagte Sprecher Brooke Buchanan vor Journalisten. "Sie ist eine großartige Nachricht."

Busreise durch mehrere Staaten

Kurz vor dem Nominierungsparteitag der Republikaner sorgt die überraschende Ernennung der jungen Gouverneurin Sarah Palin zur Vizekandidatin weiter für Aufregung im US-Wahlkampf. Die 44-Jährige brach an der Seite der republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain (72) zu einer Busreise durch mehrere Staaten auf dem Weg nach Minneapolis-St. Paul (Minnesota) auf, wo sich am Montag die Republikaner für vier Tage treffen wollen. Die von McCains Entscheidung völlig überraschten Demokraten kritisierten die Wahl Palins, die seit zwei Jahren Gouverneurin von Alaska ist und darüber hinaus keine weitere politische Erfahrung hat. Zugleich würdigten sie aber ihre Ernennung als Durchbruch für die Frauen.

Republikanische Strategen verwundert

Nach Medienberichten vom Samstag äußerten sich auch hinter den Kulissen "verwundert" über McCains Schritt. Angesichts von Palins Unerfahrenheit werde das bisherige Argument "zerstört", dass Obama wegen seiner erst vierjährigen Amtszeit als Senator als Präsident ungeeignet sei, zitierte die "Washington Post" einen Experten.

Obama selbst milderte in einer gemeinsamen Erklärung mit seinem Vizekandidaten Joe Biden eine erste kritische Stellungnahme aus seinem Wahlkampflager ab. Darin hatte sich Obamas Sprecher Bill Burton darüber mokiert, dass Palin vor ihrer Wahl zur Gouverneurin nichts anderes als Bürgermeisterin eines Dorfes mit 9.000 Einwohnern gewesen sei. In der gemeinsamen Erklärung gratulierten Obama und Biden Palin nun zur ihrer Berufung und sprachen von einem ermutigenden Zeichen, "dass alte Barrieren in der Politik fallen". Bei allen politischen Differenzen sei Palin eine "bewundernswerte Persönlichkeit" und werde eine "fesselnde neue Stimme" in McCains Wahlkampf sein.

"Eine wichtige neue Stimme"

Auch die Ex-First Lady Hillary Clinton beglückwünschte Palin und erklärte: "Wir sollten alle stolz auf die historische Nominierung von Gouverneurin Sarah Palin sein." Die Politik des Gespanns McCain und Palin würde zwar das Land in eine falsche Richtung bringen, fuhr Clinton fort, "aber der Debatte wird durch Gouverneurin Palin eine wichtige neue Stimme hinzugefügt".

Zugleich starteten die Demokraten einen Fernseh-Werbespot, in dem darauf verwiesen wird, dass Palins Berufung nichts daran ändere, dass McCain nicht für politischen Wandel stehe. Es bleibe dabei, dass er die alte Politik von Präsident George W. Bush fortsetzen wolle.

Demokraten: Palins Erfahrung beängstigend

Die Demokraten haben die Ernennung der Gouverneurin von Alaska scharf kritisiert. Vertreter des Wahlkampfteams von Barack Obama bezeichneten die 44-jährige als Kandidatin "mit der dürftigsten außenpolitischen Erfahrung in der Geschichte". Der demokratische Senator Charles Schumer sagte, Palins mangelnde Erfahrung mache den Gedanken, dass sie im Notfall Präsidentin werden würde, "beängstigend".

Ein Sprecher aus dem Lager des demokratischen Kandidaten Obama sagte der Washington Post: "John McCain hat die ehemalige Bürgermeisterin einer Stadt von gerade mal 9.000 Einwohnern mit keinerlei außenpolitischer Erfahrung einen Pulsschlag vom Präsidentenamt entfernt platziert."

McCain soll am kommenden Donnerstag offiziell von den Delegierten als Präsidentschaftskandidat nominiert werden und wird danach seine Antrittsrede halten. Sein Konkurrent Barack Obama hatte seine erste Ansprache als Kandidat am vergangenen Donnerstag in Denver vor 85.000 Menschen in einem Stadion gehalten. 38 Millionen Menschen verfolgten seine Rede im Fernsehen - die höchste Einschaltquote, die es jemals bei einer Parteitagsrede gegeben hat. (APA/dpa)

  • Die Ernennung von Sarah Palin, der Gouverneurin von Alaska, bringt Schwung in den Wahlkampf.
    Foto: REUTERS/John Gress

    Die Ernennung von Sarah Palin, der Gouverneurin von Alaska, bringt Schwung in den Wahlkampf.

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