Liebscher geht mit erhobenem Zeigefinger

29. August 2008, 18:57
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Der scheidende OeNB-Gouverneuer zieht eine positive Bilanz, für die Zukunft warnt er aber vor den Gefahren teurer Wahlversprechen

Am Montag gibt Klaus Liebscher das Amt des OeNB-Gouverneurs an den Sozialdemokraten Ewald Nowotny ab.

Wien – Am Montagfrüh wird Klaus Liebscher, zu diesem Zeitpunkt bereits Nationalbank-Gouverneur inRuhe, seinem Nachfolger, Ewald Nowotny, Schlüssel und Amt übergeben. Die 13-jährige Amtszeit Liebschers endet am 31. August, Schlag 24 Uhr.

Am Freitag hat der 69-jährige Banker, der seine Karriere im Raiffeisen-Sektor gemacht hat und vor seinem Wechsel in "meine zweite Heimat OeNB" lange Jahre Chef der Raiffeisen Zentralbank (RZB) war, seine Abschiedspressekonferenz in Wien gegeben.

"Sehr gut für die Zukunft gerüstet"

Liebscher ließ "dieHighlights" seiner Amtszeit Revue passieren; dazu zählt er die Umstellung vonSchilling auf Euro, seine Tätigkeit im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), wo er zuletzt der Dienstälteste, der Doyen war. Und: "Für mich war der sensationellste Erfolg, wie perfekt das Eurosystem funktioniert hat. Die OeNB selbst habe sich zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen entwickelt und sei"sehr gut für die Zukunft gerüstet".

Liebschers Blick in dieselbe, auf internationaler Ebene: Im Zusammenhang mit der europäischenWährungsunion sieht er "in den kommenden Jahren keinen realistischen Beitrittskandidaten".

"Große Sorge" wegen Wahlversprechen

Auf nationaler Ebene und auf kürzere Sicht äußerte Liebscher auf Nachfrage nach seiner Meinung zu den derzeitigen Wahlversprechen der Parteien größere Bedenken: "Die Summe der Wahlversprechen sehe ich aus Sicht des Gesamtbudgets mit großer Sorge. Schon ohne Einberechnung der Steuerreform, die ja kommen soll, machen sie einige Milliarden aus. Ich habe noch nichts davon gehört, dass sich auch jemand für die Finanzierung all dessen den Kopf zerbrochen hat. Ich hoffe, dass nach denWahlen auch das Vernunftszenario wieder einen Stellenwert bekommt."

Die Amtsübergabe von Montag wird auch einen Farbwechsel in der OeNB bedeuten. Nowotny war lange Jahre Nationalratsabgeordneter und Finanzsprecher der SPÖ; zuletzt hat der Nationalökonom und Uni-Professor die Bawag aus dem Unglück manövriert. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30./31.8.2008)

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    Der scheidende Notenbank- Gouverneur, Klaus Liebscher (li.), verbeugt sich vor seinem Nachfolger, Ewald Nowotny.

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