"Zahlungsmoral noch ausgezeichnet"

28. August 2008, 18:44
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Eine großteils "brave" Zahlungsmoral attestiert der KSV österreichischen Firmen in einer Umfrage, die das Institut heuer zum zwölften Mal durchführte. Besonders korrekt: Privatkunden

Wien - In wirtschaftlich guten Zeiten werden Rechnungen schneller beglichen; in schlechten lässt man sich gerne etwas Zeit. Dies ist ein langjähriger Erfahrungswert des Kreditschutzverbandes 1870 (KSV), weshalb deren Geschäftsführer Johannes Nejedlik sagen kann: "Die Zahlungsmoral in Österreich ist ausgezeichnet."

Allerdings spürt der KSV bereits erste Anzeichen einer Eintrübung: Die befragten Unternehmen befürchten angesichts der aufziehenden Konjunkturwolken eine Verschlechterung bei der Rechnungsbegleichung.

Noch ist aber alles im Lot: Vor allem im europäischen Vergleich sind die heimischen Schuldner musterhaft. Mit einer durchschnittlichen "Zahlungsdauer" (es ist dies die Zeit, nach der die Zahlung eingeht) von 34 Tagen liegt Österreich ziemlich weit vorne. Nur die Schuldner in einigen europäischen Ländern weiter nördlich zahlen noch schneller: die Finnen innerhalb von 27 Tagen, gefolgt von den Norwegern und Isländern. Am anderen Ende des Spektrums rangieren die Griechen, die lassen sich nämlich 110 Tage Zeit; die Spanier 89 Tage. Der europäische Schnitt liegt bei 52 Tagen.

Verbesserung um zwei Tage

Was die innerösterreichische Situation anbelangt, hat sich die schon in den Vorjahren beklagte Säumigkeit der Schuldner der öffentlichen Hand nur wenig gebessert (siehe Grafik): Ämter, Behörden und Kommunen zahlen durchschnittlich erst nach 37 Tagen. Dies ist zwar gegenüber dem Vorjahr eine Verbesserung um zwei Tage, doch bleibt die Problematik, dass dies insbesondere bei Klein- und Mittelbetrieben Probleme auslöst. Johannes Eibl vom Forderungsmanagement des KSV erklärt den Abstand zwischen Firmenkunden damit, dass "man bei der öffentlichen Hand doch hohe Sicherheiten hat".

Als Gründe für den Zahlungsverzug nennen 64 Prozent der Befragten Liquiditätsengpässe. Knapp die Hälfte (47 Prozent) führen aber an, dass die Rechnungen vorsätzlich nicht rechtzeitig bezahlt werden. Ähnlich ist das Bild bei den Privaten: Auch hier nennen 49 Prozent der Befragten Liquiditätsengpässe und 44 Prozent Vorsatz.

Nejedlik streicht hervor, dass es bei guter Wirtschaftslage relativ leicht sei, den aus der verspäteten Zahlung entgangenen Cashflow und Zinsen wegzustecken. "Es kostet viel Geld, dem Geld nachzulaufen." (ruz, DER STANDARD, Printausgabe, 29.8.2008)

 

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