Nordost- und Nordwestpassage in der Arktis erstmals zeitgleich eisfrei

29. August 2008, 15:39
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Trotz kühlen Sommers zweitstärkste Eisschmelze am Nordpol seit Messbeginn - Negativrekordmarke von 2005 könnte noch unterboten werden

Anchorage - Das Eis am Nordpol ist in diesem Sommer auf den zweitniedrigsten Stand seit Beginn der Satellitenbeobachtung geschmolzen. Wie Forscher des US-amerikanischen National Snow and Ice Data Center berichteten, könnte die Eisschmelze sogar noch stärker ausfallen als im Rekordjahr 2007, da noch einige Sommerwochen verbleiben. "Das ist nicht überraschend, aber es ist alarmierend", sagte Deborah Williams, eine ehemalige Mitarbeiterin des US-Innenministeriums, die für Alaska zuständig war. "Es war ein relativ kühler Sommer. Dass dass Eis trotzdem auf den zweitniedrigsten Stand geschmolzen ist, zeigt die starken Auswirkungen der globalen Erwärmung."

Freie Passagen

Die Nordost- und Nordwestpassage in der Arktis sind erstmals beide zugleich eisfrei und für Schiffe befahrbar. Das geht aus aktuellen Satellitenfotos hervor, wie  Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) am Freitag in Bremerhaven sagte. Der Forschungseisbrecher "Polarstern" habe bereits vergangene Woche die Nordwestpassage durchfahren und steuere derzeit auf die Nordostpassage zu.

"Dies könnten jetzt sogar normale Schiffe, die nicht verstärkt sind", sagte Gerdes. Nach seiner Kenntnis nutzen Reedereien die neuen Seewege aber noch nicht für Handelsschiffe: Es fehle derzeit an langfristigen und regelmäßigen Vorhersagemodellen für die Region.

Abgesunkene Eisfläche

Das National Snow and Ice Data Center hatte am Montag berichtet, dass die Eisfläche in der Arktis auf unter 5,3 Millionen Quadratkilometer abgesunken ist. Das war der bisher zweitniedrigste Messwert - die Tiefstmarke wurde am 21. September 2005 erreicht. Während sich die Eisschmelze im August 2005 aber schon verlangsamt habe, halte sie in diesem Jahr unvermindert an, erklärten die Forscher. Rückgänge seien besonders in der Tschuktschensee und im Ostsibirischen Meer beobachtet worden. Die Tschuktschensee ist eines von zwei Gebieten, in denen in Alaska der Eisbär zuhause ist.

Beobachtungsflugzeuge, die nach Walen Ausschau hielten, beobachteten am 16. August neun Eisbären, die im offenen Meer der Tschuktschensee schwammen. Sie waren zwischen 24 und 105 Kilometer von der Küste Alaskas entfernt. Einige schwammen nach Norden, offenbar um den Rand des Nordpoleises zu erreichen, das an diesem Tag rund 640 Kilometer entfernt war. (APA/red)

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