FPÖ fordert erneut Kopftuchverbot an Schulen

27. August 2008, 16:01
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Wiener Klubobmann Schock: "Zeichen der Unterdrückung und Erniedrigung der Frau" - Grüne Korun: "Pauschale Behauptungen"

Wien - Ein Kopftuchverbot in allen öffentlichen Einrichtungen und selbstverständlich auch in den Wiener Schulen forderte der Klubobmann der Wiener FPÖ Eduard Schock am Mittwoch. Das islamische Kopftuch sei "in unserem Kulturraum mittlerweile zum Zeichen der Unterdrückung und Erniedrigung der Frau" geworden, "daher sei es zu verbieten", hieß es in einer Aussendung.

"Hat in Österreichs nichts verloren"

Schock verwies weiters darauf, dass es in mehreren Wiener Schulen bereits Lehrerinnen gäbe, die mit Kopftuch unterrichten. Dies sei einer "christlich-abendländisch geprägten Kulturnation völlig unwürdig und habe in Österreich nichts verloren", so Schock.

Auch in anderen Staaten Europas sei dieses Kopftuchverbot bereits Gesetz. Daher könne schon jetzt vorweggenommen werden, dass alle kritischen Stimmen, die von einer Gesetzeswidrigkeit sprechen, am völlig falschen Dampfer unterwegs seien.

Pauschale Behauptungen

Die Wiener Grünen halten in einer Aussendung am Mittwoch gegen Schocks Ansichten. "Wie realitätsfern und auch durchschaubar die FPÖ ist, merkt man/frau an den pauschalen Behauptungen der FPÖ, alle Kopftuch-Trägerinnen seinen unterdrückt", kommentierte Integrationssprecherin Alev Korun. "Wie haben es diese Frauen trotz Unterdrückung zum Lehrerinnenberuf geschafft?"

Betreuungs- und Beratungsnetz von Nöten

Unterschiedlichen Glaubenspraktiken mit Verboten zu begegnen, sei in einer liberalen und demokratischen Gesellschaft nicht nur völlig fehl am Platz, sondern zeuge auch von Unfähigkeit und Hilflosigkeit, mit der fortschreitenden Ausdifferenzierung von Lebensentwürfen umzugehen, so Korun. "Warum fordert Schock nicht gleich ein Verbot von Nonnengewändern? Das wäre wenigstens konsequent", so Korun. "Gerade Frauen, die unterdrückt werden, egal aus welchem Kulturkreis sie stammen, müssen durch ein engmaschiges Netz an Betreuungs- und Beratungseinrichtungen unterstützt werden. Es müssen die Voraussetzungen für eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben geschaffen werden und dazu zählt auch die freie Berufsausübung", schloss Korun. (red)

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