Quote in Aufsichtsräten: Marek für Freiwilligkeit, Prammer für Pflicht

27. August 2008, 15:52
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Arbeitsstaatssekretärin nimmt Abstand von gesetzlich vorgeschriebener Quote, Nationalratspräsidentin findet indes Appelle an Firmen nicht ausreichend

Eisenstadt/Alpbach - Eine höhere Frauenquote in leitenden Positionen hat Nationalratspräsidentin Barbara Prammer am Mittwoch gefordert. Ähnlich wie in Norwegen, wo Aufsichtsräte zu 40 Prozent mit Frauen besetzt sind, soll es nach ihren Vorstellungen auch in Österreich eine gesetzlich vorgeschriebene Quote geben. "Freiwillige Appelle" seien nicht ausreichend, hierzulande seien nur neun Prozent der Aufsichtsräte weiblich, so Prammer bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt.

Chance zur Umsetzung

Brigid Weinzinger, Noch-Frauensprecherin der Grünen, wies in einer Aussendung auf einen entsprechenden Antrag der Grünen für die gesetzliche Festschreibung einer mindestens 40-prozentigen Frauenquote in Aufsichtsräten und Vorständen staatlicher oder staatsnaher Betriebe: "Bei der nächsten Nationalratssitzung hätte die SPÖ die Möglichkeit, zu zeigen, dass es ihr mit ihren frauenpolitischen Forderungen wirklich ernst ist, in dem sie das 5-Punkte Programm von Werner Faymann um einen sechsten Punkt ergänzt."

"Freiwillige Selbstverpflichtung" und Familenfreundlichkeit

Auch beim Forum Alpbach hat das Thema Einzug gehalten: In der Diskussion um die Benimmregeln am Börsemarkt ("Corporate Governance") hat Arbeitsstaatssekretärin Christine Marek am Dienstag die Einführung einer Frauenquote auf Tapet gebracht - allerdings plädierte sie für eine "freiwillige Selbstverpflichtung" der börsenotierten Unternehmen. Von einer gesetzlich vorgeschriebenen Quote nahm Marek Abstand.

Die Arbeitsstaatssekretärin sprach sich stattdessen für eine familienfreundliche Firmenpolitik aus: Wie eine Umfrage unter 105 heimischen Unternehmen gezeigt habe, bringe dies deutlich weniger Krankenstandstage (4,9 pro Jahr, der Österreich-Durchschnitt liegt bei 12) und eine deutlich geringere MitarbeiterInnen-Fluktuation, die bei 6,7 Prozent liege (Österreich-Durchschnitt 19 Prozent). Zudem falle es leichter, qualifizierte MitarbeiterInnen zu finden. (APA/red)

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