Grönland: Touristen entdecken Über­­reste von 48 geschlachteten Narwalen

26. August 2008, 14:09
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In Ostgrönland existieren bisher keine Fangquoten, Behörden prüfen dennoch - Minister um internationalen Ruf der Polarinsel besorgt

Nuuk/Helsinki - Touristen eines australischen Kreuzfahrtschiffes haben an der Ostküste Grönlands die Reste eines augenscheinlichen Massakers an Narwalen gefunden und den Vorfall bei der örtlichen Polizei zur Anzeige gebracht. Wie das Nachrichtenportal sermitsiaq.gl berichtete, zählten die Arktis-Touristen am 17. August auf einem Strand südlich von Ittoqortoormiit 48 geschlachtete Exemplare der als gefährdet geltenden Art, von denen nur die Stoßzähne und zu einem Teil die Häute entfernt waren.

Obwohl in dem betreffenden Küstenabschnitt freie Jagd auf Narwalen herrscht, wird nun untersucht, ob ein Verstoß gegen die Jagdregeln vorliegt. Diese verlangen unter anderem die vollständige Verwertung der erlegten Tiere.

Dem Bürgermeister der örtlichen Gemeinde zufolge hatten die Jäger den Großteil der Beute wegen Platzmangel in den Booten notgedrungen zurücklassen müssen. Wegen Schlechtwetters hätten sie anschließend auch nicht an den Fangort zurückkehren können. Die Wale seien in einem Zeitraum von sechs Wochen erlegt worden, man könne daher nicht von einer unverhältnismäßigen Jagd sprechen.

Furcht um internationale Reputation

Das zuständige Mitglied der Inselregierung, Jagdminister Finn Karlsen, zeigte sich angesichts des Vorfalls verärgert und fürchtet um den internationalen Ruf Grönlands. Die geschockten Touristen hatten unter anderem von einem toten Narwal-Baby berichtet, das - noch mit der Nabelschnur verbunden - neben seiner Mutter im seichten Wasser lag.

Karlsen kündigte eine Zählung des Narwal-Bestandes in der Region an und stellte die Einführung von Fang-Quoten in Aussicht. Bisher ist die Jagd auf Narwale nur in West- und Nordgrönland quotiert. Die zu Dänemark gehörende Polarinsel Grönland wird, ebenso wie Island, wegen des Festhaltens am Walfang grundsätzlich und wegen als zu hoch geltender Fangquoten immer wieder von Tier- und Naturschutzorganisationen heftig kritisiert. (APA)

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    Narwale zählen zu den gefährdeten Arten unter den Meeressäugern. Obwohl in dem Küstenabschnitt freie Jagd auf die Tiere erlaubt ist, wird nun untersucht, ob ein Verstoß gegen die Jagdregeln vorliegt.

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