"Jammern ist völlig unbegründet"

24. August 2008, 18:54
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Die Restrukturierung des Forschungszentrums Seibersdorf sorgt für Diskussionsstoff

Alpbach/Wien - "Jammern ist völlig unbegründet, was die Materialforschung betrifft" , stellt der neue wissenschaftliche Geschäftsführer der Austrian Research Centers (ARC) klar. "Denn Materialforschung ist eine Querschnittsmaterie und wird im Forschungszentrum Seibersdorf keineswegs abgegeschafft." Man brauche selbstverständlich Materialentwicklung und werde sie auch machen.

Aber sie sei kein strategisches Ziel und müsse daher innerhalb der ARC-Gruppe vernünftig organisiert sein, betont der soeben vom Mainzer Max-Planck-Institut für Polymerforschung zur sanierungsbedürftigen ARC-Gruppe gewechselte Materialwissenschafter. Dasselbe gelte auch für Nanotechnologie, die auch kein strategisches Ziel sei, weil sie nicht die notwendige kritische Größe habe.

Labor-GmbH in Gründung

Bei den anstehenden Ausgliederungen geht es hurtig weiter. Nach den Research Studios ist nun die ARC-Labor GmbH in Gründung respektive die AIT-Labor-GmbH. Denn Österreichs größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung soll, wie berichtet, bald Austrian Institute of Technology (AIT) heißen. AIT-Labor werde rund 100 Beschäftigte haben und sehr spezialisierte Labordienste wie Dosimetrie, Toxikologie und Standard-Chemie sowohl für die ARC erbringen als auch für Dritte am Markt. "Das ist also keine Ausgliederung, um eine Einheit loszuwerden, sondern ein Hygienethema" , skizziert der kaufmännische ARC-Chef, Anton Plimon; das sei auch wichtig für die Dopingtests, die in den ARC-Labors gemacht werden.

Deutlich heikler ist dagegen die Restrukturierung. Sie soll binnen drei Jahren über die Bühne gehen und sieht fünf ergebnisverantwortliche Kerngeschäftsbereiche vor: Energie, Mobilität, Saftey & Security, Umwelt & Gesundheit und "Forsight & Policy Development" . Die umfangreiche IT mit Quantenkryptografie und Großrechnerleistung für hochauflösende Bildtechnologien bleibe Schlüsselbereich. 2009 sollte die Optimierung der derzeit thematisch zu stark diversivizierten Organisationsstruktur abgeschlossen sein und Standortthemen aufgearbeitet werden, darunter die Übersiedlung von 75 Beschäftigten nach Tulln. Parallel dazu gehe es um dringend notwendig Investitionen in Gebäude und Technik im Volumen von mindestens zehn Millionen Euro auf dem - laut ARC-Präsident Hannes Androsch "heruntergekommenen" Standort Seibersdorf. Am 30. September wird mit dem Industrie-Syndikat über Details des Reformkurses diskutiert. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.8.2008)

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