Rapid-Sieg von Böller-Attacke auf Goalie Georg Koch überschattet

24. August 2008, 18:48
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Gehörtrauma und Kreislaufzusammenbruch, Zustand aber verbessert - Tatverdächtiger festgenommen - Endstand: 3:0 für Rapid

Wien - Das Wiener Derby zwischen Rapid und Austria ist am Sonntag schon kurz nach Beginn vor dem Abbruch gestanden. Rapid-Tormann Georg Koch war in der sechsten Minute zu Boden gegangen, nachdem ein aus dem dahinterliegenden Austria-Sektor geworfener Feuerwerkskörper in seiner Nähe explodiert war. Der Deutsche erlitt laut Rapid-Arzt Benno Zifko ein Gehörtrauma mit Vertäubung sowie einen Kreislaufzusammenbruch. Der Torhüter habe aber auf die Infusionen gut angesprochen, Koch klage jedoch weiter über Übelkeit und ein Taubheitsgefühl. Genauere Untersuchungen im Krankenhaus sind deshalb erst für Montag geplant.

Tatverdächtiger festgenommen

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff wurde ein Tatverdächtiger laut Rapid-Manager Werner Kuhn von der Polizei festgenommen. Die Beamten hatten den mutmaßlichen Werfer des Knallkörpers per Videoüberwachung noch während der Partie ausgeforscht

Dass die Partie nicht abgebrochen wurde, sondern Ersatzgoalie Raimund Hedl Kochs Platz einnahm, ist Steffen Hofmann zu verdanken. Der Rapid-Kapitän erklärte sich gegenüber Schiedsrichter Thomas Steiner dazu bereit, das Spiel fortzusetzen. "Steffen hat das richtige Zeichen gegeben", kommentierte Rapids Sportdirektor Alfred Hörtnagl.

Bis zu 50.000 Euro Strafe für Rapid

Die Mitnahme von Feuerwerkskörpern sei laut Bundesliga-Vorstand Georg Panglaber nicht völlig zu unterbinden. "Es ist schwierig. Heutzutage werden diese Böller auch im Intimbereich ins Stadion transportiert."

Pangl erklärte außerdem, dass sich die möglichen Strafzahlungen im Rahmen von bis zu 50.000 Euro für den ausrichtenden Verein sowie bis zu 10.000 Euro für den Gastverein bewegen würden.

Hütteldorf siegt 3:0

Zum Sportlichen: Rapid hat 3:0 gewonnen und die Tabellenführung übernommen. Branko Boskovic (5., 57.) zeigte sich als Doppeltorschütze per Kopf und Fuß für den zweiten Heimsieg der Grün-Weißen gegen die Austria in Serie hauptverantwortlich, Steffen Hofmann (81.) sorgte schließlich für den Endstand. Die Hütteldorfer schraubten die Derby-Bilanz damit auf 119 Rapid-Siege bei 63 Remis und 104 Austria-Erfolge hoch.

In der ersten Halbzeit erwies sich die Pacult-Elf als klar feldüberlegen, während die violetten Gäste, die unmittelbar vor Anpfiff auf Verteidiger Schiemer (Wadenverhärtung) verzichten mussten, nur reagierten statt selbst Initiative zu ergreifen. Majstorovic (26.) rettete gerade noch vor Hoffer, nach einem Heber in den Strafraum setzte der Teamstürmer auch seine zweite große Chance (33.) nur knapp an Safar vorbei neben das Gehäuse. Der Austria-Torhüter zeigte sich auch bei Freistößen von Dober (39.) und Hofmann (44.) auf dem Posten.

Ausgleichschance vor der Pause

In den Reihen der Violetten hing Diabang in der Luft, auch weil sich Bazina immer wieder ins Mittelfeld zurückfallen ließ. Schon bald schickte Trainer Karl Daxbacher den zuletzt angeschlagenen Rubin Okotie zum Aufwärmen. Kurz vor dem Pausenpfiff fand die Austria praktisch aus dem Nichts doch noch eine Riesenchance auf den Ausgleich vor, einen Diabang-Schuss nach idealer Vorlage des Ex-Rapidlers Bazina drehte Hedl aber gerade noch zur Ecke. 57 zu 43 Prozent Ballbesitz für Rapid untermauerte die Feldüberlegenheit der Hausherren.

Die schwache Vorstellung seiner Elf vor Augen schickte Daxbacher nach Seitenwechsel Okotie für den bei seinem Bundesliga-Comeback farblosen Kapitän Blanchard aufs Feld. Mit einer zweiten echten Spitze schienen die Violetten die Partie auch besser in den Griff zu bekommen. Diabang (48.) und Hattenberger (52.) scheiterten per Kopf, ehe ein schülerhafter Fehler von Abwehrchef Bak die Entscheidung für Rapid brachte. Der routinierte Pole ließ sich den Ball an der Seitenoutlinie von Hofmann abnehmen, dessen Vorlage verwertete der bereits im Cup als Dreifachtorschütze in Erscheinung getretene Boskovic allein vor Safar überlegt zum 2:0.

Kein Aufbäumen möglich

Die Austria konnte sich in der letzten halben Stunde nicht mehr Aufbäumen und handelte sich auch noch einen dritten Gegentreffer ein. Der eingewechselte Drazan (80.) ließ noch eine Möglichkeit ungenutzt, Hofmann machte es kurz darauf besser und stellte auf 3:0. Für die Austria geht es aber bereits am Donnerstag in der UEFA-Cup-Quali gegen WIT Tiflis weiter.(APA)

SK Rapid Wien - FK Austria Wien 3:0 (1:0). Wien, Hanappi-Stadion, 18.000 (ausverkauft), SR Steiner

Torfolge: 1:0 ( 5.) Boskovic, 2:0 (57.) Boskovic, 3:0 (81.) Hofmann

Rapid: G. Koch (11. Hedl) - Dober, Tokic, Patocka, Katzer - Hofmann, Heikkinen, Boskovic, Kavlak (77. Drazan) - Maierhofer, Hoffer (86. Jelavic)

Austria: Safar - Standfest, Bak, Madl, Majstorovic (76. Sun Xiang) - Sulimani (61. Krammer), Hattenberger, Blanchard (46. Okotie), Acimovic - Bazina - Diabang

Gelbe Karten: Dober, Boskovic, Tokic bzw. Sulimani, Majstorovic

 

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    Torhüter Koch muss verletzt vom Platz, davor...

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    ...fiel bereits das 1:0, danach das...

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    ...2:0 und...

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    ...das 3:0 durch Steffen Hofmann.

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