Die Profile der neuen CEOs

22. August 2008, 16:45
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Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Heidrick & Struggles zeigt auf, was Spitzenmanager auszeichnet und was vielen in Österreich für die internationale Karriere fehlt

ie Studie "Root to the Top" des Beratungsunternehmens Heidrick & Struggles beschreibt seit elf Jahren die Profile von Spitzenmanagern der Top-100-Unternehmen der _Financial Times Stock Exchange (FTSE) und kam in der aktuellen Publikation zu einem zunächst nicht wirklich überraschenden Ergebnis: Chief Executive Officers (CEOs) seien heute besser ausgebildet, jünger und international erfahrener als im Jahr 1996, zu Beginn der Langzeituntersuchung. Sie bleiben weniger lang in ihrer Position und werden häufiger von extern rekrutiert. Frauen gebe es an der Spitze nach wie vor wenig.

Neben exzellenter Ausbildung ebnen unkonventionelles Denken fernab jeglicher Stereotype, der gekonnte Umgang mit Druck und häufig auch Frustration im Rahmen einer internationalen Tätigkeit sowie die Fähigkeit, kulturell über den eigenen Tellerrand denken zu können, den Weg in die Sphären eines erfolgreichen Chief Executive Officers. Internationale Erfahrung, der Wechsel in andere Bereiche und Länder, sei dafür unabdingbar.

Unterschiedliche Wege an die Spitze

Erstmals wurden diese "europäischen" Ergebnisse jenen der Fortune-100-CEO-Profile gegenübergestellt. Dabei kam zutage, dass die Wege an die Spitze unter den FTSE-Unternehmen eine dynamischere Entwicklung aufzeigen, als jene unter den Fortune 100. Die Chefetagen Letzterer weisen weitaus weniger Diversität in den Nationalitäten auf (zehn Prozent im Vergleich zu 32 Prozent bei den FTSE 100), haben viel weniger internationale Erfahrung (33 Prozent im Vergleich zu 67 Prozent der FTSE-100-CEOs) und werden häufiger intern nachbesetzt. Das spreche einerseits für besser gepflegte interne Pools, berge andererseits aber auch die Gefahr in sich, aufgrund mangelnder Impulse von außen Strukturen erstarren zu lassen, Veränderung zu verhindern, im globalen Wettbewerb zu sehr zu verlangsamen, so die Studie sinngemäß.

Mangelnde Dynamik


Ergebnisse, die - zum Teil - dem Vergleich Österreich und Zentral-und Osteuropa (CEE) standhalten, so Stefan Steger vom Wiener Heidrick-Büro. So etwa auch im Bereich der Diversity-Initiativen: Während man in CEE eine „natürlich gegebene Diversity" vorfinde, die es erlaube, frühe und sehr unterschiedliche Erfahrungen in verschiedenen Bereichen und Ländern zu machen, seien Karrierewege dieser Art in Österreich durch ein "in sich geschlosseneres System" nicht in dieser Art möglich, so Steger. In der Entwicklung notwendiger Fähigkeiten auf dem Weg an eine internationale Spitze hinke man hier in Österreich nach.

Entsprechend steige auch die Zahl der Top-Führungskräfte unter 45 Jahren in CEE schneller als in vergleichbaren westlichen Regionen. Werfe man also einen Blick auf das Verhältnis "Erfahrung und Potenzial", so Sabine Aigner, liege in Zentral- und Osteuropa die Gewichtung stark auf Letzterem. "Das erlaubt einen sehr positiven Ausblick in die Zukunft", sagt sie. Führungskräfte können in dieser Region gut heranreifen. Österreich sei auch auf diesem Feld noch eher traditionellen Modellen verhaftet.

Karriere durch Top-Ausbildung

Auf dem Weg an eine internationale Spitze werde auch nichts an einer Top-Ausbildung vorbeiführen, sind Aigner und Steger überzeugt. Die Studie bestätigt diesen Trend: 33 Prozent unter den Spitzenmanagern der Fortune-100-Unternehmen sind Ivy-League-Abgänger. 26 Prozent der FTSE-100-CEOs haben Oxbridge oder Harvard-Abschlüsse. 1996 waren es noch 18,7 Prozent. Für die Möglichkeit einer internationalen Spitzenkarriere gelte es Entwicklungen dieser Art ernster zu nehmen, als dies noch vielerorts in Österreich der Fall sei. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.8.2008)

  • Wege an die Spitze werden enger - und die Konkurrenz härter: An internationaler Erfahrung und Top-Ausbildung führt kein Weg vorbei
    foto: photodisc

    Wege an die Spitze werden enger - und die Konkurrenz härter: An internationaler Erfahrung und Top-Ausbildung führt kein Weg vorbei

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