Chinesische Greisinnen zu "Umerziehung" in Arbeitslager verurteilt

20. August 2008, 11:36
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Drakonische Bestrafung wegen Demonstrationsversuchs während der Olympischen Spiele

Peking - Weil sie während der Olympischen Spiele in Peking gegen eine Zwangsräumung protestieren wollten, müssen zwei betagte Chinesinnen nach einer Entscheidung der Behörden ein Jahr in einem Arbeitslager verbringen. Der Sohn einer der Frauen, Li Xuehui, sagte am Mittwoch, die Familie sei am Sonntag davon unterrichtet worden. Die beiden Frauen im Alter von 79 und 77 Jahren hielten sich aber noch zu Hause auf.

Li erklärte, die Behörden hätten keinen Grund für die Inhaftierung seiner Mutter Wu Dianyuan und ihrer Nachbarin Wang Xiuying genannt. "Wang Xiuying ist fast blind und gelähmt", sagte er telefonisch. "Was für eine 'Umerziehung durch Arbeit' soll bei ihr erreicht werden? Aber sie können jederzeit abgeholt werden."

"Reform durch Arbeit"

Die Greisinnen hatten wiederholt versucht, die Erlaubnis für eine Protestaktion an einem von drei ausgewiesenen Plätzen zu bekommen. Sie mussten 2001 ihre Häuser in Peking für ein Bauprojekt räumen und legten bereits mehrfach Einspruch dagegen ein. In diesem Jahr protestierten sie 16 Mal in Peking. Die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" (HRW) bezeichnete die Anordnung zur Einweisung in ein Arbeitslager als Versuch der Einschüchterung. In den rund tausend chinesischen "Umerziehungs"-Straflagern des "Laogai"-Systems ("Reform durch Arbeit") befinden sich Hunderttausende von Regimegegnern ohne Gerichtsurteil.

Die chinesischen Behörden haben rund um die Wettkampfstätten besondere Zonen in der Hauptstadt eingerichtet, in denen Demonstrationen zugelassen werden sollten. Die Anträge dazu sollten fünf Tage vorher eingereicht und innerhalb von 48 Stunden beantwortet werden. Bisher wurden nach offiziellen Angaben vom Montag 77 Anträge eingereicht, die aber alle zurückgezogen, ausgesetzt oder nicht genehmigt wurden. (APA/red)

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