Klimapolitik: Wolkenlos und wunderbar

18. August 2008, 19:22
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Aktienanalysten gehen davon aus, dass die Märkte in Schwellenländern wie China noch sehr anfällig für kurzfristige Unsicherheiten sind - Leo Szemeliker

Klimapolitik, made in China: Auf staatlichen Druck musste in der Zeit rund um Olympia mehr als ein Viertel der Industriekapazität einfach stillgelegt werden. Damit die Luft rund um die Wettkampfstätten besser wird. Gar nicht gern hatten die Machthaber nämlich die Fernsehbilder mit den grüngelben Smog-Glocken um die Stadien in Peking, mit den Algenteppichen vor der Segelregion Qingdao und dem Schnitt zu rauchenden Schloten in der Provinz gesehen. Dem musste Einhalt geboten werden, das Wirtschaftswunder kann nach den Spielen weitergehen.

Den Börsen gefallen solche radikaldirigistischen Maßnahmen naturgemäß nicht, deswegen sind die Aktienkurse in China in den Wirtschaftsmetropolen Schanghai und Hongkong seit dem Beginn der Sommerspiele spektakulär abgestürzt. Der wichtigste Index ist beispielsweise so niedrig wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Aktienanalysten nehmen die Entwicklung als Beweis dafür, dass die Märkte in Schwellenländern wie China eben noch sehr anfällig für kurzfristige Unsicherheiten sind.

Aber die Sache weist auf ein viel tiefer gehendes Problem hin: Sie zeigt nämlich, wie weit die chinesische Industrie noch von westlichen Umweltstandards entfernt ist. Immer billiger werdende Konsumgüter erkaufte sich der Westen durch eine Forcierung dieser Zustände. Um halbwegs wolkenlose Bilder von den Olympischen Spielen zu garantieren, muss ungeachtet aller Verluste zur extremen Lösung gegriffen werden. Die Abschlusszeremonie wird beeindruckend werden. Wunderbar, unter klarem Himmel. Dann wird der Schalter wieder umgelegt. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.8.2008)

 

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