Die Kunst des Essens

20. August 2008, 09:31
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Ein bekannter Schauspieler und ein in Salzburg tätiger Koch haben gemeinsam ein Buch publiziert

es Künstlers "Dieu! Je vis encore ...." klingt sinnlich, in leiser, feiner Ironie, mit überschwänglichem Pathos und heiligem Ernst einer einzigartig sonoren Stimme vorgetragen, auch ein Jahr nach den Vorstellungen von Hector Berlioz' Oper "Lelio" in Salzburg nach. Gérard Depardieu war 2007 dem Ruf des Konzertdirektors der Salzburger Festspiele Markus Hinterhäuser gefolgt, gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern unter Leitung von Riccardo Muti als Sprecher zu agieren.

Im Zuge seines Aufenthalts in Salzburg traf der, allein ob seiner Präsenz charismatische, in Wahrheit bescheidene und besonnene Mensch auch in Kontakt mit den sinnlichen Genüssen der barocken Stadt. Im "Ikarus" in Salzburgs Hangar-7 traf der der traditionellen französischen Küche verschworene Gourmet auf das von Starkoch Eckart Witzigmann protegierte, kreative und innovative Enfant terrible der Kochkunst, Roland Trettl.

Die außergewöhnliche Begegnung, die vor allem geprägt war von der Passion, der Authentizität, der Verve, dem Instinkt, der Leidenschaft, der Sensibilität und der Seele des vielfach ausgezeichneten französischen Schauspielers, Restaurantbetreibers und passionierten Winzers Depardieu, mündete in den gemeinsamen Entschluss, in einem Buchprojekt die im kulinarischen Wettstreit entstandenen und präsentierten Menüs zu vergegenwärtigen. Das Ergebnis ist aber mehr als nur eine Rezeptsammlung der scheinbar widersprüchlichen Zugänge traditioneller und unkonventioneller Küche, es geriet vielmehr zum introspektiven Porträt eines ehemaligen und eines heutigen "jungen Wilden", ergab Symbiosen diametraler Kunstgenres auf höchstem Niveau.

Zudem sind Treffen in Paris, Salzburg oder auf Depardieus Weingut Chateau de Tigné dokumentiert und erlauben neue, untypische Einblicke in das Seelenleben des Mimen. Spaziergänge in den Tuilerien oder durch Pariser Museen, diskursive Gespräche neben Rodins Skulpturen sind nicht bloße Staffage, sondern Sinnbild für die weisen Unterhaltungen über Kunstformen, Künstler, Intuition und Passion, das Leben selbst. Trettl, der Unangepasste, und Depardieu, der sensible Zweifler und aufbrausende Genussmensch, verführen in Intensität und philosophischer Konsequenz zu französischem Savoir-vivre.(Gregor Auenhammer/Der Standard/rondo/15/08/2008) 

Kulinarische Festspiele
Gérard Depardieu trifft Roland Trettl
Coll. Rolf Heyne, München 2008, € 59,70

  • Gérard Depardieu trifft Roland Trettl
    Heyne Verlag

    Gérard Depardieu trifft Roland Trettl

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