Kanada wirbt für Irak-Kompromiss

20. Februar 2003, 17:53
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Chretien schlägt Ultimatum bis Mitte April vor

Ottawa/New York - Der kanadische Ministerpräsident Jean Chretien versucht, zwischen den im Irak-Konflikte zerstrittenen Lagern im Weltsicherheitsrat einen Kompromiss zu vermitteln. Danach soll Bagdad zur Erfüllung aller noch offenen Forderungen der UN- Waffeninspekteure ein Ultimatum bis Mitte April gesetzt werden, während die USA und Großbritannien ein weit früheres Datum anstreben. Chretien habe über diesen Vorschlag auch mit dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder und weiteren Regierungschefs gesprochen, berichtete am Donnerstag die Zeitung "Globe and Mail".

An den Irak müssten nach den kanadischen Vorstellungen rasch ganz konkrete Forderungen gestellt werden, die bis spätestens Mitte April zu erfüllen seien. Chretien hoffe, mit dem Vorstoß eine Brücke zwischen den Lagern "Jetzt Bombardieren" und "Inspektionen ohne Ende" zu bauen, berichtete das Blatt. Kanada ist derzeit nicht Mitglied des 15 Staaten umfassenden Gremiums. Deutschland hat noch bis zum 28. Februar die Präsidentschaft inne.

Die USA haben am Donnerstag offen gelassen, wann sie im UN-Sicherheitsrat eine neue Irak-Resolution einbringen werden. US-Außenminister Colin Powell sagte nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär George Robertson lediglich, das werde in "sehr naher Zukunft" geschehen. Nach Angaben der "Los Angeles Times", die sich auf Powell-Äußerungen in einem Interview bezog, gibt es indessen Hinweise darauf, dass die USA ihre diplomatischen Bemühungen im Irak-Konflikt bis Mitte März fortsetzen könnten.

Der Zeitpunkt und auch die genaue Formulierung des Resolutionsentwurfes hingen vom Ablauf der Beratungen mit anderen Ländern ab, sagte Powell am Donnerstag. Der Minister erklärte weiter, dass der Irak die Bedingungen der vorausgegangenen UN-Resolution nicht erfüllt habe, und angesichts dessen hielten die USA eine neue Resolution in "sehr naher Zukunft" für "angemessen".

Die "Los Angeles Times" verwies unterdessen auf ein jüngstes Interview von Radio France mit Powell. Darin habe der Minister erklärt, dass sich der (diplomatische) "Prozess" bis zum nächsten Bericht der Chefwaffeninspektoren Ende des Monats weiter "entfalten" werde. Powell habe zugleich angedeutet, dass möglicherweise sogar noch ein weiterer Bericht Mitte März abgewartet werden solle, wie dies auch Frankreich gefordert habe. Die USA wollten sich aber erst dann festlegen, wenn sie wüssten, was der nächste Bericht enthalte.

Einen ähnlichen Zeitplan erläuterte die "Washington Post" unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Danach planen die USA, in der nächsten Woche zunächst inoffiziell einen Entwurf bei den UN kursieren zu lassen. Eingebracht werden solle der Text aber frühestens nach dem nächsten oder sogar einem übernächsten Report der Chefinspektoren. Der nächste wird für Ende Februar oder Anfang März erwartet. Als weiteren Termin hat Frankreich den 14. März vorgeschlagen. (APA/dpa)

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