Dosenpfand für Wien ?

20. Februar 2003, 15:36
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Umweltstadträtin Kossina plant Modellversuch nach Berliner Vorbild - ÖVP- Umweltsprecher hält System für Flop

Wien - Die Wiener Umweltstadträtin Isabella Kossina (S) plant einen Modellversuch zum so genannten Dosenpfand. Ähnlich wie in der bundesdeutschen Hauptstadt Berlin solle das Pfandmodell für einige Tage getestet werden, so die Stadträtin. Dabei forderte sie Umweltminister Wilhelm Molterer (V) erneut auf, ein Pfandmodell nach deutschem Vorbild einzuführen.

Umweltminister habe Mehrwegquote gesenkt

Der Umweltminister habe "entgegen den Vorschriften des Gesetzes" die Mehrwegquote gesenkt. Nach der Aufhebung dieser Verordnung durch den Verfassungsgerichtshof (VfGH) vergangenen Oktober habe Molterer noch bis zum 31. März Zeit, eine neue Verordnung zu erlassen, so Kossina. Als "Denkanstoß" brachte die Stadträtin das deutsche Modell ins Spiel, bei dem auch auf Einwegverpackungen ein Pfand eingehoben werde: "In Deutschland funktioniert das Pfand."

Anstieg der Mehrwegquote in Berlin

Dies betonte auch der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch, den Kossina eingeladen hatte: "Es ist sensationell, wie sich der Markt innerhalb von nur einem Monat verwandelt hat." Die Mehrwegquote sei seit der Einführung des so genannten Dosenpfandes deutlich angestiegen. Bei Bier sei der Anteil von 70 Prozent auf 91 Prozent erhöht worden, bei "CO2-haltigen Erfrischungsgetränken" von 50 Prozent auf 76 Prozent.

Umherliegende Dosen und Flaschen weden eingesammelt

Kossina sieht in der Einführung eines allgemeinen Pfandes, das auch für Einwegverpackungen eingehoben würde, vor allem einen Schritt gegen das "Littering", das Verschmutzen der Stadt durch umherliegenden Verpackungsmüll. Nach den Erfahrungen des Berliner Pilotmodells, in dem das Dosenpfand vor der allgemeinen Einführung in ganz Deutschland Anfang Jänner diesen Jahres, getestet wurde habe sich gezeigt, wie sauber die Stadt sein könne. Durch die Auszahlung eines geringen Pfandes sei die Bevölkerung mobilisiert worden, umherliegende Dosen und Flaschen einzusammeln.

Einwegflaschen belasten Gemeindeetat

Nach der Einführung des Pfandes habe man "erste begeisterte Berichte von der Stadtreinigung" bekommen, so Resch. Er gab zu Bedenken, dass die Einwegflaschen vor allem den Gemeindeetat belasten würden, da die Kommune umherliegenden Müll schließlich beseitigen müsse.

Zwei Eutro wegwerfen tut weh

Der Effekt des Pfandes sei simpel, aber wirksam, so Kossina: "Wenn ich weiß, ich werfe zwei Euro weg, dann tut's weh." Sie kündigte für Wien eine Kampagne zur Abfallvermeidung an. Im Zuge dessen sei auch ein Pilotversuch ähnlich jenem in Berlin geplant. Bisherige Gespräche mit einer Handelskette seien gescheitert, als Betreiber ziehe sie derzeit eine Umweltorganisation in Erwägung, so die Stadträtin. Am finanziellen Aufwand werde es jedenfalls nicht scheitern, versicherte sie: "Das Geld ist vorhanden."

Flop

Kossina betonte auch, dass in der Frage des Dosenpfandes mit Ausnahme von Kärnten auch die restlichen Bundesländer auf Wiener Linie. Molterer sei jetzt aufgefordert, eine einheitliche Richtlinie zu erlassen.

Kritik am Vorstoß der Umweltstadträtin kam von der Wiener ÖVP: Umweltsprecher Rudolf Klucsarits bezeichnete das deutsche System als "Flop". Dieses sei gleich zu Beginn "in sich zusammengebrochen und selbst Rettungsaktionen seitens der deutschen Bundesregierung haben das System noch immer nicht zum funktionieren gebracht". Er forderte die Entwicklung von Modellen, mit denen die Akzeptanz von Mehrweggebinden beim Konsumenten wieder gehoben werden könne. (APA)

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