Wettflug mit dem Tod: Schwer kranke Neun­jährige starb trotz Zwischenlandung

12. August 2008, 09:17
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Das weltgrößte Passagierflugzeug A380 hatte in München gestoppt, um das Kind in eine Klinik zu bringen

München - Die ungeplante Zwischenlandung des weltgrößten Passagierflugzeugs A380 in München vom Sonntag konnte das Leben eines neunjährigen Mädchens nicht mehr retten. Wie die Münchner "tz" (Dienstag) berichtet, starb die kleine Tayyaba - jüngste Tochter einer amerikanischen Familie pakistanischer Abstammung - in einem Münchner Krankenhaus trotz aller ärztlicher Bemühungen.

Zuvor war die Maschine mit dem todkranken Kind an Bord auf dem Weg von Dubai nach New York im Erdinger Moos gelandet, weil ein Arzt unter den Passagieren die dringende Einweisung in ein Krankenhaus empfohlen hatte.

Eine Bestätigung für den Tod des Mädchens gab es von direkt beteiligter Seite am Montagabend nicht. Ein Flughafen-Sprecher drückte auf dpa-Anfrage sein tiefes Bedauern über die Nachricht aus. Wie die "tz" schreibt, war Tayyaba schon gleich nach der Landung kaum noch ansprechbar, ihr Körper lebensbedrohlich ausgetrocknet. Schon seit der Geburt habe sie unter Magenproblemen und Bauchweh gelitten. Noch im Hubschrauber zur Kinderklinik musste sie reanimiert werden.

Keine Rechnung gestellt

Noch am Montag hatte der Flughafen entschieden, keine Rechnung über die Kosten des außerplanmässigen Stopps zu stellen. Anders als sonst in solchen Fällen üblich werde der Flughafen die Gebühren für Landung und Start nicht erheben. Grund für den Verzicht sei die tragische Lage, in die die Familie gekommen sei. Zuvor hatte der Flughafen nach Angaben des Sprechers erwogen, der Fluggesellschaft eine Rechnung zu präsentieren. Ob diese die Summe dann von der Familie des Kindes zurückgefordert hätte, war dabei offen geblieben. Durch den Großeinsatz am Sonntag auf dem Flughafen seien Kosten in fünfstelliger Höhe entstanden.

Der A380 der Fluggesellschaft Emirates war am Sonntag auf dem Weg von Dubai nach New York, als sich der Gesundheitszustand des kleinen Mädchens dramatisch verschlechterte. Ein Arzt konnte dem Kind an Bord nicht ausreichend helfen und empfahl die Zwischenlandung. Der Pilot fragte am Münchner Flughafen an, ob der Airbus dort kurzfristig landen könne. Obwohl der A380 bislang nur einmal bei einem Besuchertag in München zu Gast war, konnte der Flughafen sich innerhalb einer Stunde für den Riesenflieger rüsten. "Das hat so gut funktioniert wie ein Uhrwerk", sagte der Sprecher. Durch die enorme Größe des Flugzeugs werden für den A380 eine andere technische Ausrüstung und andere Treppen benötigt als für normale Flugzeuge.

In Kinderklinik geflogen

Nach der Landung wurde das Mädchen sofort von Ärzten in Empfang genommen und mit dem Hubschrauber in eine Kinderklinik geflogen, zu der auch die Eltern gebracht wurden. Nach rund drei Stunden setzte das Flugzeug mit den übrigen rund 500 Passagieren an Bord den Flug in die USA fort. Zwischenlandungen wegen kranker Passagiere an Bord kommen nach Angaben des Sprechers zwar immer wieder vor. Der Einsatz am Sonntag sei aber wegen des neuen Flugzeugs auch für den Münchner Flughafen außergewöhnlich gewesen.

Die arabische Fluggesellschaft Emirates hatte den A380 erst vor wenigen Wochen vom Airbus-Werk in Hamburg in Empfang genommen. Die erste A380 hatte Singapore Airlines im Oktober 2007 im französischen Toulouse mit rund eineinhalb Jahren Verspätung erhalten. Das doppelstöckige Großflugzeug A380 gilt als das größte Verkehrsflugzeug der Welt. Es ist 73 Meter lang und 24 Meter hoch. (APA/dpa)

 

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