Offener Streit USA-Russland

11. August 2008, 21:15
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Russlands Premier verglich Saakaschwili mit Saddam - Vorstoß russischer Truppen in Abchasien

Trotz der Kritik aus den USA und der EU will Russland seinen harten Kurs gegenüber Georgien fortsetzen. "Wir werden unsere Friedensmission bis zu ihrer logischen Vollendung durchführen", kündigte Premierminister Wladimir Putin bei der Kabinettssitzung an.

Was das bedeutet, blieb auch am vierten Tag des Konfliktes zwischen Russland und Georgien unklar: Die georgische Seite meldete am Montagabend die Einnahme der Stadt Gori durch die Russen und den Marsch der Truppen auf die Hauptstadt Tiflis. Das russische Verteidigungsministerium dementierte das, Bewohner von Gori bestätigten der deutschen Nachrichtenagentur dpa allerdings die Besetzung der Stadt, die nur 66 Kilometer entfernt von Tiflis liegt. Der georgische Ministerpräsident Lado Gurgenidze behauptete, russische Truppen hätten die Hafenstadt Poti besetzt, was von Moskau ebenfalls dementiert wurde.

Am Montagabend marschierten russische Truppen auch von Abchasien aus in die 40 Kilometer von der Grenze entfernte georgische Stadt Senaki ein, laut russischem Verteidigungsministerium verließen sie die Stadt jedoch noch am Abend. Ein vom georgischen Präsidenten Michael Saakaschwili vorgebrachter Waffenstillstand blieb ohne Wirkung. Die südossetische Hauptstadt Zchinwali stand trotzdem unter Beschuss. Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums nannte die von Saakaschwili unterzeichnete Erklärung "wertlos".

"Die Situation ist sehr ernst. Es ist nicht sicher, sich in den Regionen aufzuhalten. Die Telefonverbindungen sind oft unterbrochen. Russische Flugzeuge greifen nicht mehr nur strategische Ziele an, sondern auch zivile", beschreibt Nino Kartozia, Mitarbeiterin der Weltbank, die derzeitige Situation in Tiflis. In dieser Situation sei es sehr schwierig, die Ruhe zu bewahren, denn in den meisten Familien gebe es Angehörige, die sich in der Konfliktzone befinden.

"Man muss bis zum Ende gehen", zitiert die russische Zeitung RBC Daily einen anonymen russischen Militär, der eine Zerstörung der georgischen Infrastruktur forderte. Nur wenn Flughäfen, Eisenbahnschienen, die Seehäfen in Poti und Batumi zerstört werden sowie Georgien die Versorgung mit Strom und Gas abgedreht wird, könne der Konflikt beendet werden.

Kritik Putins an Einmischung

Georgien warf Russland vor, die für Europa wichtige Baku-Ceyhan-Ölpipeline zu beschießen. Der stellvertretende Generalstabschef Anatoli Nogowizyn bestritt diese Vorwürfe in einer von Ria Nowosti organisierten Pressekonferenz. Die russische Luftwaffe greife in Georgien nur militärische Ziele an.

Heftige rhetorische Attacken ritt Putin gegen die USA. "Mich verwundert das Ausmaß des Zynismus - die Fähigkeit, geschickt den Aggressor als Opfer der Aggression darzustellen und die Verantwortung für die Folgen auf die Opfer zu übertragen" , sagte er. Den georgischen Präsidenten verglich Putin mit dem früheren irakischen Diktator Saddam Hussein. Während man Hussein wegen seiner Verbrechen gegen das eigene Volk hingerichtet habe, werde Saakaschwili vom Westen in Schutz genommen, obwohl dieser "ossetische Dörfer ausgelöscht" sowie Kinder und ältere Menschen ermordet habe, behauptete Putin. Präsident Dmitri Medwedew versuchte die Situation zu beruhigen und kündigte ein baldiges Ende der Kampfhandlungen an. Russland habe einen wesentlichen Teil der Operation, deren Ziel darin besteht, Georgien zum Frieden in Südossetien zu zwingen, abgeschlossen, sagte er. Medwedew sprach sich für eine Mission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Südossetien aus. (Verena Diethelm aus Moskau/DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2008)

 

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    Eine Frau vor den Ruinen eines zerbombten Hauses in der Stadt Gori, dem Geburtsort von Josef Stalin, im Zentrum Georgiens.

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