Lukoil und Co auf Shopping-Tour im Ausland

10. August 2008, 18:33
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Einer Studie zufolge ist Russland schon zum zweitgrößten Schwellenland-Investor aufgestiegen

Moskau - Dank der hohen Gewinne aus Öl- und Gasverkäufen verfügen russische Konzerne über prall gefüllte Kriegskassen. Diese setzen sie zunehmend für Übernahmen und Investitionen im Ausland ein. Einer Studie der Deutschen Bank zufolge ist Russland bereits zum zweitgrößten ausländischen Investor unter den Schwellenländern aufgestiegen. An erster Stelle liegt das Offshore-Finanzzentrum Hong Kong.

Auch im Vergleich zu den Direktinvestitionen der Industrieländer müssen sich die russischen Auslandsinvestitionen nicht verstecken. Im jüngsten FDI Performance Index der UNCTAD (UN-Konferenz zu Handel und Entwicklung) erreichen sie Platz 30 von 128 Ländern. Dieser Index misst den Anteil der Auslandsdirektinvestionen eines Landes an den weltweiten Auslandsdirektinvestionen als Quote seines Anteils am Welt-BIP (Bruttoinlandsprodukt). Russland ist damit eine ernstzunehmende Konkurrenz für multinationale Konzerne aus dem Westen, urteilen die Studienautoren.

Unternehmen wie der private Ölkonzern Lukoil hat Raffinerien in Russland, der Ukraine, in Bulgarien und Rumänien und verkauft seine Produkte in 24 Länder weltweit. In den USA verfügt Lukoil, das größte multinationale Unternehmen Russlands, über mehr als 2000 Tankstellen.

Während zu den größten russischen Auslandsinvestoren noch immer Unternehmen aus dem Öl-, Gas- und Metallsektor zählen, setzen auch Firmen aus der Telekommunikationsbranche, dem Finanzdienstleistungssektor und dem Einzelhandel zunehmend auf Internationalisierung. Das Hauptmotiv für russische Unternehmen, ins Ausland zu expandieren, ist der Zugang zu neuen Technologien, Wissen und Ressourcen.

So stieg der russische Oligarch Oleg Deripaska beim österreichischen Baukonzern Strabag und dem deutschen Konkurrenten Hochtief ein. Stahlunternehmer Alexej Mordaschow kaufte sich beim deutschen Tourismuskonzern TUI ein, und auch der Luxusmodekonzern Escada ist bereits in russischer Hand.

Russland baut Position aus

Der Nesawissimaja Gaseta zufolge profitieren russische Unternehmen von der weltweiten Finanzkrise und der Ölpreis-Hausse. Dadurch können Investoren der ölproduzierenden Länder ihre Stellung auf dem weltweiten Markt ausbauen. Laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey belief sich das Gesamtvolumen der russischen Auslandsinvestitionen 2007 auf 811 Milliarden US-Dollar (540 Milliarden Euro). Die wachsenden Investitionen in ausländische Aktiva tragen zur Stärkung der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit russischer Investoren bei. (ved, DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2008)

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